In unserem Artikel zur Teamentwicklung sind wir bereits auf das Phasenmodell von Bruce Tuckman gestoßen und haben es kurz und bündig vorgestellt. Jetzt wollen wir das Thema etwas vertiefen und uns noch genauer ansehen, was in den einzelnen Phasen vor sich geht und wie sich das Team am besten durch sie hindurchmanövriert.
Tuckmans Teamuhr: der Prozess der Teambildung
Tuckmans sogenannte Teamuhr veranschaulicht, durch welche Phasen alle möglichen Arten von Teams gehen, bis sie zu einer aufeinander eingeschworenen und miteinander funktionierenden Gruppe werden. Sich bei dieser Entwicklung an die Teamentwicklungsphasen Tuckmans zu halten hilft dabei, zu wissen, was auf die Gruppe zukommt.
Besonders die Konfliktphase ist etwas, das das Team als solches akzeptieren und als gewöhnlich ansehen muss. Ein Blick auf die Teamuhr nimmt die Abschreckung raus, die vielleicht entsteht, wenn die Teamformierung aus dem Ruder zu laufen scheint.
Außerdem gibt das Modell Tuckmans hilfreiche Informationen an die Hand, wie in den jeweiligen Phasen reagiert werden sollte, um sie konstruktiv vorübergehen zu lassen. Das alles sehen wir uns in diesem Artikel also genauer an.
5 Phasen der Teamentwicklung
Als Bruce Tuckman sein Modell der Teamentwicklungsphasen erstellte, unterschied er insgesamt 4 Phasen: Forming, Storming, Norming und Performing. Später kristallisierte sich durch seine Forschung noch eine optionale Phase, die Adjourning- bzw. Abschiedsphase, heraus. Wodurch all diese Phasen charakterisiert sind, was sich innerhalb ihrer abspielt und wie man als Teamleitung jeweils am besten agiert, sehen wir uns gleich genauer an.
Zuerst wollen wir aber noch auf eine zusätzliche (Vor-)Phase zu sprechen kommen, die Tuckman offenbar noch nicht zum eigentlichen Teamprozess zählt. Vor der Formingphase könnte man nämlich noch eine Konzeptionsphase hinzuzählen. Hier werden einige Eckfaktoren des Teams festgelegt: Ziel des Teams, dafür benötigte Kompetenzen und Qualifikationen, etc. Außerdem wird hier entschieden, welche Personen überhaupt ins Team kommen.
Notiz am Rande:
Es ist eigentlich bezeichnend, dass die Teamentwicklungsphasen laut Tuckman erst dann beginnen, wenn das Team formal bereits zusammengestellt ist. Das hebt die Wichtigkeit der auf die Zusammenstellung folgenden Phasen hervor. Darin spielt sich erst die eigentliche Arbeit ab. In ihnen entsteht erst das Team als solches, anstatt einer zusammengewürfelten Arbeitsgruppe.
Pro-Tipp für die Teamzusammenstellung
Um mehr Motivation von Anfang an zu garantieren, bietet es sich an, die Formierung des Teams unter den potentiellen Mitgliedern auszuschreiben. Eine unternehmensinterne Ausschreibung etwa gewährleistet, dass nur Mitarbeitende ins Team geholt werden, die sich auch für die Aufgabe und die Lösungsfindung interessieren. Entscheiden nicht die Mitglieder selbst, ob sie zum Team kommen oder nicht, könnte das bereits in der ersten Phase zu Aversionen und Frustration führen.
Forming: die Orientierungsphase
Die Teammitglieder treffen aufeinander, lernen einander kennen und sammeln erste Eindrücke. Der Umgang untereinander ist noch verhalten, förmlich und von höflicher Distanz geprägt. Bereits in dieser Entstehungsphase des Teams können Verhältnisse, Beziehungen und Positionen, die später womöglich zum Wohle des Teams wieder aufgelöst werden müssen, klar werden.
Wichtig ist hier, sich bewusst zu sein, mit welchen „Paketen“ die Teilnehmenden in die Runde kommen. Alle haben verschiedene Erwartungen, Bedenken, womöglich auch Ängste, die mit Vorsicht zu behandeln sind.
Tipps für Teamleitung in der Formingphase:
Storming: die Konfrontationsphase
Die Stormingphase ist unter den Teamentwicklungsphasen eine der kritischsten. Hier kommen erste Konflikte im Team auf. Unzufriedenheiten mit der Rollenverteilung, Widerstand gegen den Einfluss der Gruppe, emotionale Antwort auf gewisse Anforderungen etc. treten an die Oberfläche und werden sichtbar. Das geht mit einem hohen Maß an Frustration, Enttäuschung und Ärger einher.
Im schlimmsten Fall kann es hier auch zu respektlosem und verletzendem Verhalten kommen, wenn durchsetzungsfähigere Charaktere sich über andere hinweg- und ihre individuellen Interessen durchzusetzen versuchen.
Diese Phase ist besonders geprägt von Stillstand. An der gestellten Aufgabe kann nur in sehr geringem Maß gearbeitet werden, da hier das Team und dessen Entwicklung in den Vordergrund rückt. Streitigkeiten und Reibepunkte werden sichtbar und müssen aus dem Weg geräumt werden, damit das Team wachsen kann.
So unangenehm die Stormingphase auch klingt, sie ist notwendig, um für spätere Phasen alle Reibepunkte von vorn herein ausbügeln zu können. Sie kann unter Umständen bereits sehr früh einsetzen, vor allem dann, wenn sich die Teilnehmenden zuvor bereits kannten und etwaige „Altlasten“ mit in die Teamentwicklung genommen werden.
Tipps für Teamleitung in der Stormingphase:
Norming: die Organisationsphase
Die Normingphase kann als direkte Konsequenz der Konfliktphase gesehen werden, wenngleich sie sich auch ohne diese einstellen kann. Hier werden Strukturen, Normen, ordentliche und offene Umgangsformen und routinierte Abläufe gefestigt. Konflikte konnten überwunden werden und ein Team Spirit stellt sich ein.
Die Normierungsphase ist die Voraussetzung dafür, dass die Leistungsphase einsetzen kann.
Langsam stellt sich die Gemeinschaft über die Einzelleistung und das Gefühl der Zusammengehörigkeit wird gestärkt. Erfolge werden zunehmend als Teamleistungen wahrgenommen, ohne genau zu beachten, wessen Verdienst hier der größere war. Kommen jetzt noch Streitereien auf, haben die Beteiligten die nötige Erfahrung, um das Problem in konstruktiven Diskussionen zu lösen.
Tipps für Teamleitung in der Normingphase:
Performing: die Leistungsphase
Nun ist endlich die Phase erreicht, in der nicht mehr die Entwicklung des Teams im Vordergrund der Teamarbeit steht. Die ganze Energie des Teams kann sich nun auf die Erledigung der eigentlich festgelegten Aufgabe konzentrieren. Die Struktur ist so etabliert, dass sie die Zielerfüllung unterstützen kann und auch die ausführenden Personen sind voll aufeinander abgestimmt. Die Stimmung ist gut und sowohl kleine, als auch große Erfolge werden gemeinsam gefeiert.
Die Teamleitung tritt nun gänzlich in den Hintergrund, die Positionen befinden sich alle auf Augenhöhe und das Maß an Selbstorganisation des Teams hat seinen Höhepunkt erreicht. Ab sofort sollte von außen oder von der Teamleitung keinerlei Anweisung mehr kommen, da hierdurch die Eigenständigkeit des Teams gefährdet wird.
Tipps für Teamleitung in der Performingphase:
Die 5. Phase: „Adjourning“, oder Auflösungsphase
Einige Zeit nach der Formulierung der Teamentwicklungsphasen überarbeitet Tuckman gemeinsam mit Mary Ann C. Jensen sein Modell und fügt noch eine 5. Phase hinzu: die Adjourning-Phase. Sie tritt ein, wenn das Ziel des (befristet gebildeten) Teams erreicht ist, oder wenn das Team derart an Leistung verliert, dass eine Neuformierung ratsam wird. Das kann nach geraumer Zeit des Bestehens passieren, besonders wenn es sich um Teams handelt, deren Innovationskraft hoch sein sollte. Irgendwann stumpfen die kreativen Köpfe womöglich ab und verlieren sich in der Routine, sodass sie ihr Ziel nur noch schwerlich erreichen.
Dann wird das Team also aufgelöst. Auch dies sollte geregelt vonstattengehen. Durch die hohe persönliche Verbindung der einzelnen Personen des Teams ist es schon allein aus emotionalen Gründen ratsam, den Abschluss mithilfe von Evaluierungen, Feedbacks und Dokumentation abzurunden. Eine umfassende Dokumentation kann außerdem für künftige Teams als Hilfestellung bereitstehen.
Um auch die geknüpften, zwischenmenschlichen Beziehungen abzuschließen, kann ein gebührender Abschied und ein gemeinsames Feiern der erreichten Ziele veranstaltet werden.
Wichtig ist auch die Überlegung: Was kommt danach? Das (professionelle) Verbleiben der Mitarbeitenden sollte frühzeitig abgeklärt werden, damit den Teilnehmenden der Abschluss nicht so schwerfällt und auch dieser noch motiviert durchgeführt werden kann. Hier kommt wieder die Teamleitung ins Spiel, die den Kolleg:innen bei der Weiterorientierung behilflich ist und den Abschluss entsprechend plant.
FAQs zu HR-Prozesse digitalisieren
Welche Phasen der Teamentwicklung gibt es?
Aus verschiedenen Theorien geht eine Anordnung von insgesamt 5 Phasen der Teamentwicklung hervor. Nach dem Modell von Bruce Tuckman benennen sich die Phasen wie folgt: Forming bzw. Orientierungsphase, Storming bzw. Konfrontationsphase, Norming bzw. Organisationsphase, Performing bzw. Leistungsphase und abschließend Adjouring bzw. Auflösungsphase.
Warum ist die Teamentwicklung wichtig?
Gemeinsam lässt sich mehr erreichen. Die Teamentwicklung hat das Ziel, das Team so zu formieren, sodass eine bestmögliche Zusammenarbeit garantiert wird. Außerdem können sich die Teammitglieder selbst, aber auch untereinander besser kennenlernen, sowie ihre Reaktion auf andere im Kontext der Aufgabenbearbeitung verstehen und gegebenenfalls verbessern.
Was ist das Phasenmodell?
Bruce Tuckman entwickelte in den 60er-Jahren ein Phasenmodell zur Teamentwicklung, welches auch heute noch Anwendung findet. Die Phasen dieses Modells, welche ursprünglich zur Neugründung von Teams entwickelt wurden, können auch in anderen Kontexten angewendet werden, wobei die Dauer dieser Phasen von Team zu Team variiert.
Ein harmonisches Team ist die Basis für ein erfolgreiches Unternehmen. Damit auch Ihr Team gut zusammenarbeitet und die Teammitglieder sich gegenseitig vertrauen und unterstützen, braucht es geeignete Teamentwicklungsmaßnahmen. Stimmen Sie diese immer auf die einzelnen Teammitglieder, die Unternehmenswerte sowie die Entwicklungsziele ab, denn nur dann ist Teamentwicklung auch wirklich von Erfolg gekrönt.