Teamentwicklung – Definition, Ziele & Ablauf

Dass gemeinsam mehr schaffbar ist, das ist in praktisch jedem Unternehmen beobachtbar. Viele Aufgaben verlangen nach einer engen Zusammenarbeit mehrerer Köpfe mit unterschiedlichen Kompetenzen und Denkweisen. Dafür werden Teams gebildet und damit diese Teamarbeit nicht in unproduktivem Chaos versinkt, braucht es eine koordinierte Teamentwicklung.

Definition: Was genau ist Teamentwicklung?

Grundsätzlich läuft Teamentwicklung oft automatisch und ohne weiteres Zutun ab. Mitarbeiter werden zu einem Team geformt und organisieren sich so, dass sie gemeinsam das ihnen vorgegebene Ziel erreichen können. Wie aber jeder weiß, der schon einmal in so einer mehr oder weniger zufällig zusammengewürfelten Gruppe zurechtkommen musste, kann sich das auch weit am Ziel vorbei entwickeln. Die Leute kommen einfach nicht miteinander aus, stehen sich selbst im Weg, irgendetwas liegt in der Luft, das die Gruppe von der Erreichung des Ziels abhält.

Damit das nicht passiert, wird strukturiert an den Abläufen, Dynamiken, Bezügen und Beziehungen im Team gearbeitet. Die Entwicklung des Teams wird gesteuert, sodass sich eine günstige Teamkonstellation ergibt.

Besonders in folgenden Fällen sind Teamentwicklungsmaßnahmen sinnvoll:

  • Zusammenstellung eines Teams
  • Personaler Neuzugang
  • Einstellung auf veränderte Aufgabenstellung
  • Einstellung auf höhere Komplexität der Aufgaben
  • Beseitigen von Ungereimtheiten im Team
  • Plötzliche Leistungsminderung
  • Weiterentwicklung des Teams

Ziele der Teamarbeit: Wofür Teamentwicklung?

Grundsätzlich ist Teamentwicklung dazu da, das Team so zu formieren, dass es seine Teamarbeit bestmöglich ausführen und damit die ihm gestellte Aufgabe effizient lösen kann. Dazu werden folgende Faktoren verbessert:

Die einzelnen Teammitglieder lernen sich in entsprechend gewählten Übungen selbst kennen sowie ihre Reaktion auf andere und die eigene Beziehung zu den anderen Mitgliedern. Gemeinsam motiviert und mit Spaß an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten, fördert das Gefühl, einem höheren Zweck zu dienen, was zusätzlich Mitarbeiter motiviert.

Phasen & Ablauf: Tuckmans Phasenmodell

Geplante Teamentwicklung läuft üblicherweise nach dem von Bruce Tuckman in den 60er-Jahren entwickelten Phasenmodell ab. Grundsätzlich geht es dabei um die Neugründung eines Teams. Allerdings können die einzelnen Phasen auch in anderen Kontexten angewandt werden, wo entsprechendes Einschreiten notwendig wird. Auch die Intensität bzw. Dauer der einzelnen Phasen variiert von Team zu Team.

Phasen der Teamentwicklung von Tuckmans

Zusammenstellung (Forming, Orientierungsphase)

Hier geht es um den ersten Kontakt. Das Team wurde aufgrund der jeweiligen Kompetenzen und Qualifikationen zusammengestellt und lernt sich nun kennen. Hier passiert eine erste Rollenverteilung, erste Eindrücke werden gesammelt, Sympathien und Antipathien entwickelt. Gegebenenfalls ist hier bereits ein nötiger Austausch einzelner Mitglieder abzusehen. Grundsätzlich werden hier die Rollen und Aufgaben der einzelnen Teilnehmenden vordefiniert.

Konfliktaufkommen (Storming, Konfrontationsphase)

Früher oder später kommen erste Konflikte auf und das Team wird auf die Probe gestellt. Womöglich wurden Rollen und Aufgaben nicht günstig vergeben und einzelne Charaktere fühlen sich in ihrer Position nicht wohl. Machtrangeleien, Unentschlossenheit und unterschiedlich gesetzte Prioritäten können Symptome dafür sein. Wichtig an dieser Stelle: solche Dynamiken entwickeln sich in den besten Teams. Durch gezieltes Ansprechen und Ausarbeiten werden diese Dinge ausgebügelt. Parallel dazu organisieren sich erste Arbeitsabläufe, auch trotz der eventuell herrschenden Ungereimtheiten.

Befestigung (Norming, Organisationsphase)

In der Organisationsphasen werden Aufgaben, Methoden, Regeln endgültig festgelegt. Lösungen für womöglich noch immer bestehende Konflikte im Team werden gemeinsam gefunden und Kommunikation und Kooperation werden so verfeinert, dass sie reibungslos ablaufen können. Dies alles kann in manchen Fällen auch in schweigender Übereinkunft vonstattengehen, wenn zufällig, natürlich miteinander funktionierende, Charaktere aufeinandertreffen. Sollte dies nicht der Fall sein, wurde entweder in der Storming-Phase bereits das Gröbste ausgearbeitet, sodass hier nur noch nachjustiert werden muss.

Stabiles, leistungsfähiges Team (Performing, Leistungsphase)

In dieser vorläufig letzten Phase ist das Team vollständig formiert. Arbeitsaufgaben werden reibungslos, konstruktiv und kooperativ ausgeführt. Das Team hat einen hohen Grad an Selbstorganisation erreicht, Anweisungen von außen sind nicht mehr nötig. An dieser Stelle sollte das Management auch nicht mehr eingreifen, um die Selbstständigkeit des Teams nicht zu gefährden. Das Ziel der Teamentwicklung ist erreicht.

Sollten sich nach Abschluss neuerliche Anlässe einstellen, die nach Teamentwicklungsmaßnahmen verlangen, sollte keine Scheu davor bestehen, diese auch durchzuführen. Kein Team ist jemals in seiner Form abgeschlossen und perfekt, da sich die Beziehungen innerhalb eines Teams ständig wandeln.

Auflösung (Adjourning)

Bei temporär gebildeten Teams erfolgt nach Zielerreichung die Auflösungsphase. Hier wird ein Strich unter die Rechnung gemacht und das Team abgeschlossen. Dokumentation und Reflexion über die Zusammenarbeit hilft nicht nur beim (emotionalen) Abschluss der Mitarbeiter mit dem Team, sondern bildet zugleich eine Art Manual für Teams, die in Zukunft noch gebildet werden und auf ähnliche Schwierigkeiten stoßen könnten.

Erfolgreiche Teamentwicklung in der letzten PhaseWas ist ein gutes Team? erfolgreiche Teamfindung

Patrick Lencioni hat in seinem Buch „The five dysfunctions of a team“ Aspekte formuliert, die ein Team zu einem funktionierenden Team machen. Dazu stellt er als Gegenpart die Dysfunktionen, die häufig anzutreffende Gegenteile der Soll-Situation sind. Statt auf dem gemeinsamen Erfolg des Teams wird beispielsweise zu oft auf den eigenen Erfolg und Status im Unternehmen geachtet.

5 Dysfunktionen5 Funktionen
Fokus auf Status und EgoFokus auf Resultate
Wenig VerantwortungsübernahmeVerantwortung fürs Ganze
SelbstverpflichtungVerbindlichkeit
Falsche HarmonieKonfliktbewältigung
Gegenseitiges MisstrauenGegenseitiges Vertrauen

Laut Lencioni funktioniert ein Team also, wenn der Fokus auf dem gemeinsam Erreichten liegt, von allen Beteiligten Verantwortung fürs Team übernommen und sich dem Team verpflichtet wird. Als Basis des Ganzen darf keine Scheu vor aktiver Konfrontation von Konflikten bestehen und muss gegenseitiges Vertrauen herrschen.

Weiters charakterisiert sich ein gutes Team dadurch, dass folgende Aspekte klar definiert und von allen Mitgliedern akzeptiert sind:

  • Ziel
  • Rollenverteilung
  • Regeln
  • Kommunikation
  • Offenheit
  • Konfliktbewältigung
  • Rolle im Unternehmen
  • Anbindung an den größeren Kontext
  • Kundenorientierung

Unterm Strich kann man sagen, dass ein Team erfolgreich zusammenarbeitet und demnach gut entwickelt wurde, wenn die gemeinsame Leistung die Summe der möglichen Eigenleistungen übersteigt.

Methoden der Teamentwicklung: Workshops & Spiele

Zu guter Letzt beleuchten wir noch, wie Teamentwicklung bzw. entsprechende Maßnahmen aussehen können. Grundsätzlich kann man sie grob in 2 Gruppen teilen. Die klassischen, eher theoretisch Gehaltenen (Tagungen und Workshops zu Feedback-Techniken, Kommunikationstechniken, etc.) und jene, die Team Spirit durch praktische Übungen vermitteln, die meist von körperlicher, spielerischer Aktion geprägt sind (Outdoortrainings, gemeinsame Ausflüge, Teamevents, Aktivitäten außerhalb des üblichen Arbeitsumfelds).

Meist bietet sich eine Kombination aus beiden an – die Methode kann dem Team individuell angepasst werden. Dabei sollte man wie bei der Teamfindung auch mit Feingefühl und viel Menschenkenntnis ans Werk gehen. Was bei Teams und deren Entwicklung nämlich immer im Mittelpunkt steht, sind zwischenmenschliche Beziehungen.


Bildquellen:

© Andrey Popov – stock.adobe.com
© Chaay_tee – stock.adobe.com
© Chaay_tee – stock.adobe.com

Mehr News und Updates hier:

Einwilligung: Wir verwenden Analyse-Dienste von Drittanbietern, die uns helfen, unser Webangebot zu verbessern. Um diese Dienste verwenden zu dürfen, benötigen wir Ihre Einwilligung. Ihre Einwilligung können Sie jederzeit widerrufen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzbestimmung.

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen