Empowerment: Definition, Konzept und Methoden

Mittels Empowerment ist es möglich, Menschen Handlungsmacht zu übertragen und selbstbestimmt zu agieren. Durch das entgegengebrachte Vertrauen und den gewonnenen Gestaltungsspielraum werden neue Potentiale entdeckt und Prozesse in Gang gebracht. Wie Empowerment im Detail und vor allem bezogen auf Ihr Unternehmen aussehen kann, lesen Sie in diesem Beitrag.

Empowerment einfach erklärt: Definition & Übersetzung

Der Begriff Empowerment kommt aus dem Englischen und bedeutet auf Deutsch so viel wie „Ermächtigung“, „Selbstbefähigung“ oder „Stärkung von Eigenmacht und Autonomie“. Sinn und Zweck ist es, Menschen mehr Mitbestimmungsrecht, Autonomie und Handlungsspielraum zu geben. Sie sollen ihre Interessen eigenmächtig und selbstbestimmt vertreten und ihr Leben selbstständig gestalten können.

Ursprünglich stammt dieser Ansatz für mehr Autonomie aus dem Bereich der Bürgerrechtsbewegung. Durch den Sozialwissenschaftler Julian Rappaport prägte er später maßgeblich die psychosoziale Praxis der sozialen Arbeit. Hier dient Empowerment dazu, Menschen ihre Stärken aufzuzeigen und sie dazu zu ermutigen, über sich hinauszuwachsen und selbstbestimmt zu leben. Anstelle eines Blickwinkels auf die Defizite einer Person, wird der Fokus auf die Stärken gelegt.

Mittlerweile findet der Ansatz selbst im unternehmerischen Kontext Anwendung. Empowerment bezeichnet hier eine Art des Leaderships, bei dem die Autonomie der Mitarbeitenden gestärkt wird. Verantwortungen und Entscheidungsbefugnisse werden an die Belegschaft übertragen. Die Angestellten gestalten ihre Arbeitsabläufe weitgehend selbst und stehen stets im Austausch mit anderen Kollegen und der Führungsebene.

Unternehmerische Einordnung: Warum ist Empowerment wichtig?

Viele Geschäftsführer:innen beklagen einen mangelnden Innovationsgeist ihrer Führungskräfte und Mitarbeitenden. Der zunehmend unübersichtlichere Wettbewerb, in der Regel getrieben durch digitale Disruptionen, erfordert eine Abkehr von gewohnten Strukturen. Die immer kürzeren Innovationszyklen am Markt und die damit einhergehende, rapide Veränderung ganzer Geschäftsmodelle zeigt die Grenzen von den Hierarchie geprägten Organisationen auf.

Empowerment hilft dabei, Innovationspotentiale einer Organisation zu entfalten, indem es Mitarbeitenden und Teams den Rahmen verschafft, autonomer und agiler zu handeln. Autonom arbeitende Mitarbeitende sind produktiver, da sie motivierter agieren. Sie sind achtsamer und sensibilisieren ihre Aufmerksamkeit und Reflektion für Beobachtungen in ihrem Umfeld.

Dies zeigt sich in etwa in der Achtsamkeit gegenüber Kolleg:innen, dem eigenen Beitrag zu Sauberkeit und Ordnung im Arbeitsumfeld oder in der Sparsamkeit im Umgang mit den eingesetzten Mitteln. Alle zusammen sind nicht zu unterschätzende, sich positiv selbstverstärkende Effekte.

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Empowerment-Konzept im Unternehmen: Grundlagen & Prinzipien

Empowerment fußt auf zwei grundlegenden Prinzipien: Menschen muss mehr Verantwortung übergeben werden und Führungskräfte müssen ihnen die dafür notwendigen Ressourcen bereitstellen. In der Folge leiten sich daraus eine Reihe von weiteren Überlegungen und Maßnahmen ab.

Dazu gehören unter anderem die Folgenden:

  • passive Strukturen auflösen
  • Aufgabenverteilung und -erfüllung hinterfragen
  • Mitarbeitende zu aktiven Akteuren machen
  • Orientierung an den Stärken der einzelnen Mitarbeitenden
  • Selbstevaluation und aktive Gestaltung der eigenen Kompetenzen statt passivem Feedback und erteilten Fortbildungsmaßnahmen
  • Fokus auf Selbstkompetenz und deren Ausbildung und Einsatz

Empowerment-Ansatz: Veränderungen als Voraussetzung

Empowerment verstärkt die Innovationskraft von Unternehmen, indem es die Innovationspotentiale der breiten Mitarbeitendenbasis entfaltet. In einem innovationsgetriebenen Wettbewerbsumfeld kann es so zu einem entscheidenden, strategischen Faktor werden. Damit das gelingt, sind jedoch Veränderungen im Unternehmen notwendig.

Abbau von Hierarchien

Flache Hierarchien helfen dabei, unnötige Distanzen zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften abzubauen. In einem zugänglichen Umfeld beschäftigen sich Mitarbeitende weniger damit, wie man Innovation in der Organisation entwickelt, sondern vielmehr mit den eigentlichen Inhalten.

Kontrollverlust

Das Empowerment-Konzept verlangt ein neues Verständnis von Führung. Modelle, die auf Macht und Kontrolle bauen, eignen sich nicht. Analog zur Veränderung der Mitarbeitendenrolle muss sich die Rolle der Führungskraft wandeln. Sie muss als Entwickler und Förderer der Mitarbeitenden auftreten.

Kulturwandel

Durch die Autonomie wird eine neue Art des Arbeitens geschaffen. Arbeitskonzepte vergangener Generationen haben nun ausgedient. Im Ansatz wird damit das Konzept der New Work umgesetzt, in dem Mitarbeitende zu autonomen und damit innovativen und produktiven Agent:innen werden.

Flexibilität

Selbstbestimmte Mitarbeitende werden dazu befähigt, Aufgaben eigenständig und eigenverantwortlich zu lösen. Arbeitsabläufe werden beschleunigt und flexibilisiert. Das geschieht vor allem dadurch, dass die einzelnen Personen eigenmächtig agieren, statt in starren Strukturen kaum Handlungsspielraum zu haben.

Zukunftsfitte Strukturen

Die Flexibilisierung und das agile Handeln bewirken, dass Wandel besser im Unternehmen Einzug halten kann. Dies ist besonders im digitalen Zeitalter von großer Wichtigkeit. Durch Empowerment werden in weiterer Instanz für die Digitale Transformation Raum und Möglichkeiten geschaffen und für zukunftsfitte Strukturen und Arbeitsweisen gesorgt.

Empowerment im Unternehmen: Konzepte und Methoden

Vier wesentliche Punkte geben eine grobe Orientierung für eine gelungene Einführung von Empowerment. Sie sind die Grundkonzepte, die mithilfe unterschiedlicher Methoden umgesetzt werden.

  1. Freiheiten gewähren
  2. Informationen zur Verfügung stellen
  3. Anreize setzen
  4. Qualifikation und Kompetenzen fördern

Es ist nicht möglich, diese grundlegenden Konzepte für Empowerment isoliert umzusetzen, denn sie bauen aufeinander auf und bedingen sich gegenseitig. So mögen gewährte Freiheiten oder die Förderung von Qualifikationen beispielsweise zwar ein erster Anreiz sein,  jedoch braucht es meistens weitere, spezielle Anreize, um die Mitarbeitenden dazu zu motivieren, den Informationsfluss zu verbessern bzw. sich auf mehr die Autonomie einzulassen.

Wichtig ist hierbei, die Mitarbeitenden dort abzuholen, wo sie sich aktuell befinden. Das betrifft deren persönliches Engagement sowie deren professionelle Fähigkeiten. Ein klarer Kommunikationsfluss ist notwendig, um Mitarbeitenden die für ihr eigenmächtiges Handeln nötigen Informationen zur Verfügung zu stellen. Dafür eignen sich gelegentliche Gespräche zwischendurch gleichermaßen, wie groß angelegte Informationsveranstaltungen für die gesamte Belegschaft.

Damit Empowerment über die reine Information hinausgeht, ist es essenziell, Weiterbildung gezielt zu fördern. Dabei ist es hilfreich, Mitarbeitende selbst mitbestimmen zu lassen, in welche Richtung die Weiterbildung geht und wie diese am besten stattfindet.

Konkrete Beispiele für unterschiedliche Formen der Weiterbildung sind:

  • klassische Schulungen, Workshops, Fortbildungen
  • Peer-To-Peer-Schulungen für einen Einblick in andere Arbeitsabläufe
  • von Mitarbeitenden abgehaltene Workshops
  • E-Learning
  • Simulationen und virtuelle Trainings

Das Ziel ist es, aus passiven, aufgabenausführenden Mitarbeitenden, kreative und innovative Köpfe zu machen, die keine Angst davor haben, kritische Fragen zu stellen. Ein Team mit dieser Arbeitseinstellung trifft Entscheidungen selbstständig und findet eigenverantwortliche Maßnahmen für ein gegebenes Problem.

Empowerment in der Praxis: Schritt für Schritt

Der Wandel von der ursprünglichen Praxis hin, zu einer Arbeitsstruktur mit empowertem Personal, erinnert stark an die Abläufe beim Change Management. Schließlich handelt es sich hier ebenfalls um einen geplanten und kontrollierten Wandel der Arbeitsweise. Folgende Tabelle stellt den Empowerment-Prozess Schritt für Schritt dar.

Schritt 1:

Bestandsaufnahme und Initiation

Eine Bestandsaufnahme hilft dabei, die Mitarbeitenden in einem ersten Schritt dort abzuholen, wo sie sich befinden. Sie bringt ans Licht, inwiefern sich die entsprechenden Personen für das Thema Selbstbestimmung und Eigenständigkeit gewinnen lassen, wie groß deren persönliches Interesse am Wandel ist und wo ihre Kompetenzen aktuell liegen.

Schritt 2:

Ziele vereinbaren

In einem zweiten Schritt wird mit den Angestellten gemeinsam besprochen, wohin der Wandel führen soll, was die Rolle der einzelnen Personen künftig sein wird und in welchem Rahmen er sich vollziehen wird.

Schritt 3:

Maßnahmen vereinbaren

Ist klar, wo man steht und wo man hinmöchte, wird definiert, wie der Weg genau aussehen wird. Hier ist es wieder essenziell, die Ideen und Anregungen der empowerten Mitarbeitenden zu berücksichtigen und ihnen Verantwortung zu übertragen. Bestenfalls entscheiden die Mitarbeitenden selbst, wo ihre Position künftig sein wird und wie sie dorthin kommen.

Schritt 4:

Teilhabe am und Kontrolle des Prozesses

Der Wandlungsprozess wird gemeinsam beobachtet, laufend kommentiert und gegebenenfalls optimiert. Vorgesetzte und Mitarbeitende sind gleichermaßen dazu angehalten, sich auf Augenhöhe über den Fortschritt auszutauschen. Wichtig ist hierbei, dass dies vor allem auf Selbstevaluation beruht.

Schritt 5:

Implementierung und Sicherung

Schlussendlich werden immer mehr Aufgaben eigenständig und selbstverantwortlich übernommen und von den nun empowerten Mitarbeitenden gesteuert und entschieden. Durch jede, selbst getroffene Entscheidung werden die Kenntnisse gefestigt und die Erfahrung ausgebaut. So ist es möglich, Empowerment nachhaltig im Unternehmen einzuführen.

Ihr Weg zur Transformation

Der gesamte Prozess geht mitunter so weit, dass eine Demokratisierung des Unternehmens stattfindet. Das führt dazu, dass die ohnehin schon am Erfolg des Unternehmens beteiligten Mitarbeiter nun ebenfalls von der operativen und finanziellen Teilhabe am Unternehmen profitieren. Durch die erworbenen Kompetenzen und das Wissen um die Abläufe sind die Mitarbeiter dazu befähigt, wichtige Entscheidungen gemeinsam demokratisch zu treffen und entsprechend am Erfolg teilzuhaben.

Fazit: Gemeinsam zum Erfolg

Autonomie ermächtigt Mitarbeitende einer Organisation eigenständig zu handeln und ihre Arbeitsabläufe selbst zu strukturieren. Sie sind dadurch motivierter und agiler und bieten dem Unternehmen so einen Mehrwert. Eine empowerte Belegschaft will gemeinsam mit dem Unternehmen erfolgreich sein und setzt ihre Stärken dafür bewusst ein.

Damit Empowerment gelingt, muss der Wandel bei den einzelnen Individuen eines Unternehmens ansetzen – sowohl bei den Mitarbeitenden, als auch auf der Führungsebene. Nur wenn jeder davon überzeugt ist und Führungskräfte bereit sind, Teile ihrer Macht und Kontrolle abzugeben, kann Autonomie und Selbstbestimmung im Unternehmen einkehren.