Empowerment

Empowerment, zu Deutsch „Ermächtigung, Übertragung von Verantwortung“, bedeutet Menschen Handlungsmacht zu übergeben. Durch das entgegengebrachte Vertrauen und den gewonnenen Gestaltungsspielraum werden neue Energien freigesetzt und Prozesse in Gang gebracht. Wie Empowerment im Detail und vor allem bezogen auf Ihr Unternehmen oder Ihre Organisation aussehen kann, fassen wir in diesem Beitrag zusammen.

Definition: Empowerment leicht erklärt

Empowerment, das: -s, -; [im-ˈpau̇(-ə)rmənt]
Ermächtigung, Übertragung von Verantwortung

Was Empowerment genau bedeutet, ist eigentlich schnell erklärt. Es bedeutet, dass Menschen mehr Mitbestimmung, Autonomie und Handlungsspielraum gegeben wird. Wörtlich aus dem Englischen übersetzt versteht man unter empowerment so viel wie ‚Ermächtigung, Übertragung von Verantwortung‘.

In der Praxis wird Empowerment nicht nur im Bereich des Personalmanagements angewandt. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Branche um die Soziale Arbeit und Pädagogik und hielt ähnlich wie in der Privatwirtschaft und Welt der Unternehmen auch in der politischen Bildung, Gesundheitsförderung und Selbsthilfe Einzug. Auch im feministischen Diskurs ist der Begriff ‚Empowerment‘ zu einem beflügelten Wort geworden.

Grundlagen und Prinzipien des Empowerments

Zu Empowerment gehören vordergründig zwei grundlegende Prinzipien. Menschen muss mehr Verantwortung übergeben werden und ihnen muss gleichzeitig das nötige Rüstzeug dafür an die Hand gegeben werden, um diese Verantwortung auch stemmen zu können. Das sind die beiden Grundpfeiler des Empowerments, auf denen eine Reihe von weiteren Maßnahmen und Prinzipien aufgebaut werden kann.

Dazu gehören unter anderem die Folgenden:

  • Passive Struktur der nicht hinterfragten Aufgabenverteilung und -erfüllung auflösen
  • Personal zu aktiven Akteuren machen, die die Bedarfslage überblicken und entsprechend eigenständig Entscheidungen treffen
  • Stärkenorientierung: Selbstevaluation und aktive Gestaltung der eigenen Kompetenzen statt passivem Feedback und erteilten Fortbildungsmaßnahmen
  • Fokus auf Selbstkompetenz, Ausbildung und Einsatz derselben

Sie sehen, wir beziehen uns hier bereits recht konkret auf die Rolle, die das Empowerment für Unternehmen spielt. Dies wollen wir in unserem Beitrag noch weiter vertiefen, denn Empowerment gibt Organisationen die Möglichkeit, agil zu werden und eine zufriedenere und damit produktivere sowie stabilere Workforce aufzubauen.

Empowerment als Ansatz im Unternehmen

Will ein Unternehmen künftig erfolgreich sein, braucht es in letzter Konsequenz das Empowerment der Angestellten. Die immer neuen Entwicklungen müssen von einer innovativen Belegschaft überdacht, angenommen und umgesetzt bzw. eigenständig und federführend vorgelegt werden, damit das Unternehmen konkurrenzfähig bleibt.

Dies steht und fällt mit der Innovationskraft des Mitarbeiterstabs und diese wird erwiesenermaßen durch Empowerment gestärkt. Welche Chancen und Konsequenzen noch mit Empowerment zusammenhängen, fassen wir nun zusammen:

Abbau von HierarchienImmer wieder ist die Rede von flachen Hierarchien. Damit sich Mitarbeiter wohlfühlen und ihre Ideen frei entfalten können, braucht es flache Hierarchien und mit ihnen auch Empowerment. Durch letzteres kann im Change Management der nötige Wandel umgesetzt werden, der zum Abbau der strengen „Wasserfallhierarchien“ führt.
KontrollverlustViele Führungskräfte haben das Gefühl, an Kontrolle und Macht zu verlieren, wenn die ihnen unterstellten Mitarbeiter empowert werden. Das mag stimmen, aber ebenso wie es im Digital Leadership empfohlen wird, braucht es neben einer Veränderung der Mitarbeiterrolle auch eine Veränderung der Führungsrolle. Diese sollte sich zu einer Figur als Coach statt als Bestimmer hinentwickeln.
KulturwandelDas Konzept der Arbeit, wie die letzten beiden Generationen es kannten, hat ausgedient. Durch Empowerment wird eine neue Art des Arbeitens geschaffen. Im Ansatz wird damit das Konzept der New Work umgesetzt, in dem Mitarbeiter zu autonomen und damit innovativen und produktiven Agenten werden.
FlexibilitätDurch das Empowerment der Mitarbeiter werden sie dazu befähigt, Aufgaben eigenständig und eigenverantwortlich zu lösen. Das ist einer der Grundpfeiler dessen, was Agile Organisation genannt und immer wichtiger wird. Arbeitsabläufe werden beschleunigt und flexibilisiert. Das geschieht vor allem dadurch, dass Glieder der Kette eigenmächtig agieren, statt in starren Strukturen kaum Handlungsspielraum zu haben.
Zukunftsfitte StrukturenDie Flexibilisierung und das agile Handeln bewirken, dass Wandel besser im Unternehmen Einzug halten kann, was im digitalen Zeitalter der disruptiven Trends besonders wichtig ist. Durch Empowerment werden in weiterer Instanz für die Digital Transformation Raum und Möglichkeiten geschaffen, was für zukunftsfitte Strukturen und Arbeitsweisen sorgt.

Nachdem wir nun im Detail erläutert haben, warum Empowerment wichtig für die Zukunft eines Unternehmens ist, werfen wir eine genaueren Blick auf Konzepte und Methoden, wie Empowerment umgesetzt werden kann. Schließlich ist es nicht so einfach, Mitarbeiter dazu zu motivieren, mehr Verantwortung und damit Engagement ins Unternehmen zu stecken.

Empowernde Konzepte und Methoden

Für eine gelungene Einführung von Empowerment kann man sich an 4 wesentliche Punkte halten. Sie sind die Grundkonzepte, die mithilfe unterschiedlicher Methoden umgesetzt werden sollten. Folgende 4 Dinge sind notwendig, um Mitarbeiter zu empowern:

Freiheiten gewährenAnreize setzen
Information zur Verfügung stellenQualifikation und Kompetenzen fördern

Das Interessante an diesen grundlegenden Konzepten ist, dass sie nicht allein funktionieren oder einzeln umgesetzt werden können. Sie bedingen sich alle gegenseitig und bauen aufeinander auf. So können gewährte Freiheiten oder die Förderung von Qualifikationen bereits ein Anreiz sein. Oder aber es braucht spezielle Anreize, um die Mitarbeiter dazu zu motivieren, den Informationsfluss zu verbessern bzw. sich auf das Gesamtprojekt Empowerment einzulassen.

Wichtig ist hierbei, die Mitarbeiter dort abzuholen, wo sie sich aktuell befinden. Das betrifft sowohl deren persönliches Engagement als auch ihre professionellen Fähigkeiten (was sich wiederum gegenseitig beeinflusst).

Es ist wichtig, einen klaren Kommunikationsfluss zu gewährleisten – sowohl in der Individual- als auch in der Massenkommunikation, was durch verschiedene Methoden möglich gemacht werden kann. Vom gelegentlichen Gespräch zwischen Tür und Angel, für das man sich Zeit nimmt, bis hin zu groß angelegten Informationsveranstaltungen ist viel möglich, um Mitarbeitern die für eigenmächtiges Handeln nötige Information an die Hand zu geben.

Um die empowernden Werkzeuge für Mitarbeiter über reine Information hinaus auszubauen, sollte Weiterbildung gezielt gefördert werden. Hilfreich dabei ist es vor allem – als ersten empowerten Schritt – die Mitarbeiter selbst bestimmen zu lassen, in welche Richtung sie sich weiterbilden. Auch diese Fortbildungsmaßnahmen können wiederum in verschiedenster Form ausgeführt werden.

Hier einige Beispiele, wie so etwas aussehen kann:

  • Klassische Schulungen, Workshops, Fortbildungen
  • Peer-To-Peer-Schulungen für einen Einblick in andere Arbeitsabläufe
  • Von Mitarbeitern abgehaltene Workshops
  • E-Learning
  • Simulationen und virtuelle Trainings

Das Ziel sollte schlussendlich sein, dass man aus passiven, aufgabenausführenden Mitarbeitern kreative und innovative Köpfe ausbildet, die nicht davor zurückscheuen, auch einmal kritische Fragen zu stellen. Ein Team mit dieser Arbeitseinstellung soll Entscheidungen selbstständig treffen und eigenverantwortlich Maßnahmen für ein gegebenes Problem finden können.

Empowerment in der Praxis: Beispiele

Gehen wir so einen Wandel von der ursprünglichen Praxis zur Arbeitsstruktur mit empowertem Personal einmal Schritt für Schritt durch. Bei folgender Auflistung fällt übrigens auf, dass dieser Wandel stark an die Abläufe beim Change Management erinnern. Letztlich handelt es sich hierbei um nichts anderes als einen Wandel in der Arbeitsweise – der natürlich geplant und kontrolliert ablaufen sollte.

Schritt 1:Bestandsaufnahme und Initiation
Der erste Schritt muss die Mitarbeiter dort abholen, wo sie sich befinden. Das verlangt zuerst eine Bestandsaufnahme. Im Zuge dessen findet man heraus, inwiefern sich die entsprechenden Leute für das Thema Empowerment gewinnen lassen können, wie groß deren persönliches Interesse am Wandel ist und wo ihre Kompetenzen aktuell stehen.
Schritt 2:Ziele vereinbaren
In einem zweiten Schritt wird mit den Angestellten gemeinsam ausgemacht, wohin die Reise gehen soll, was die Rolle der einzelnen Personen künftig sein wird bzw. kann und in welchem Rahmen sich der Wandel vollziehen soll. Wie viel Zeit und Geld werden dafür freigemacht? Disclaimer: Bereits an diesem Punkt greift die Regel, dass Empowerment mit Freiheiten zusammenhängt, die gewährt werden müssen. Also warum nicht gleich hier beginnen?
Schritt 3:Maßnahmen vereinbaren
Ist klar, wo man steht und wo man hinmöchte, wird ausgemacht, wie dieser Weg bestritten werden kann. Auch hier sollten bereits die Ideen und Anregungen der empowerten Mitarbeiter berücksichtigt werden im Idealfall ihnen das Steuer übergeben werden. Bestenfalls können die Mitarbeiter selbst (mit-)entscheiden, wo ihre Position künftig sein soll und wie sie dorthin kommen wollen.
Schritt 4:Teilhabe am und Kontrolle des Prozesses
Der Wandlungsprozess wird gemeinsam beobachtet, laufend kommentiert und gegebenenfalls optimiert. Vorgesetzte und Mitarbeiter gleichermaßen sind dazu angehalten, sich auf Augenhöhe über den Fortschritt des Empowerment-Projekts auszutauschen. Wichtig ist hierbei, dass das vor allem auf Selbstevaluation beruht und nicht wieder „von oben“ kritisiert wird.
Schritt 5:Implementierung und Sicherung
Schlussendlich werden immer mehr Aufgaben eigenständig und selbstverantwortlich übernommen und von den nun empowerten Mitarbeitern gesteuert und entschieden. Durch jede selbst getroffene Entscheidung werden die Kenntnisse gefestigt und die Erfahrung ausgebaut, was zur nachhaltigen Einführung des Empowerments führt.

Das Empowerment des Personals kann so weit gehen, dass eine Demokratisierung des Unternehmens stattfindet. Das führt dazu, dass die ohnehin schon am Erfolg des Unternehmens beteiligten Mitarbeiter nun auch von der operativen und finanziellen Teilhabe am Unternehmen profitieren. Durch die erworbenen Kompetenzen und das Wissen um die Abläufe sind die Mitarbeiter dazu befähigt, wichtige Entscheidungen gemeinsam demokratisch zu treffen und können entsprechend auch am Erfolg teilhaben.