Digitale Transformation

Digitale Technologien verändern so ziemlich alle Bereiche des Lebens und somit auch die Arbeitsweisen und Strukturen von Unternehmen. Sie können dabei als Werkzeuge für bestehende Unternehmensprozesse zur Anwendung kommen oder diese grundlegend verändern und optimieren. Wir sehen uns genauer an, was digitale Transformation genau ist, wie sie sich unter anderem im Bereich des Personalmanagements äußert bzw. implementieren lässt und welche Risiken sie birgt.

Definition: Digitale Transformation

Bricht man das Schlagwort „digitale Transformation“ herunter, landet man beim Fremdwortteil trans, das so viel wie ‚über, hinüber, hinaus, jenseits‘ bedeutet. Das Wort Transformation fand sich in ähnlicher Form auch schon im lateinischen nämlich als transformatio, zu dt. ‚Umwandlung‘. Soweit alles klar und wahrscheinlich bereits bekannt. Es findet also eine Umwandlung statt und zwar in Richtung Digitalisierung. Noch so ein Stichwort, unter dem man sich vielleicht nicht unbedingt konkret etwas vorstellen kann.

Digitale Transformation bedeutet also, dass sich weite Bereiche unseres Lebens durch digitale Technologien verwandeln. Es geht dabei nicht unbedingt nur um das Anreichern diverser Abläufe mit digitalen Werkzeugen, sondern um die fundamentale Umstrukturierung einiger Bereiche. Ein kleines Beispiel dafür ist etwa die Art und Weise, wie wir heute kommunizieren. Seit schriftliche Kommunikation durch Apps wie Whatsapp, Telegram oder Signal so viel spannender und praktischer gestaltet wurde, werden Dinge lieber via Kurznachrichten vereinbart, anstatt Telefonate zu führen. Durch diese digitalen Anwendungen wurde also der Prozess der Kommunikation an sich verändert.

Für Unternehmen bedeuten die digitale Transformation und die damit einhergehenden Optimierungsmöglichkeiten, dass man sich darum bemühen muss, am Ball zu bleiben. Die Konkurrenz schläft nicht und die Kunden und deren Erwartungen ebenso wenig, wodurch man schnell ins Hintertreffen gelangen kann, wenn man sich digital überholen lässt. Es gilt, digitale Technologien ausfindig zu machen, anzuwenden oder bestenfalls selbst zu entwickeln, selbst wenn das bedeutet, dass das Unternehmen seine Rolle am Markt überdenken und vielleicht vom Produzenten zum Dienstleister o.ä. werden muss.

„Schnell“ war vorhin übrigens schon ein gutes Stichwort, denn was bei der digitalen Transformation unbedingt im Hinterkopf zu behalten ist, ist, dass die Entwicklungskurve nicht linear verläuft, wie wir das vielleicht gewohnt sind. Im digitalen Zeitalter verlaufen Veränderungen exponentiell. Wenn wir uns jetzt vielleicht auf einer bestimmten Entwicklungsstufe befinden, lassen die nächsten Entwicklungsschübe nicht lange auf sich warten. Während es heute beispielsweise an der Zeit ist, IA (Intelligent Assistance) anzuwenden, wird es nicht lange dauern, bis die AI (Artificial Intelligence) für eine breite Masse von Unternehmen vor der Tür steht, bis hin zur AGI (Artificial General Intelligence) und ASI (Artificial Super Intelligence).

Maßnahmen der Digitalen Transformation in Unternehmen

Wie diese digitale Transformation in Unternehmen aussehen kann, ist von Unternehmenstyp zu Unternehmenstyp verschieden. Während es bei manchen Branchen reicht, Technologien in die Arbeitsprozesse zu integrieren und diese evtl. umzustrukturieren, werden andere Branchen damit zu kämpfen haben, ihre Existenz zu bewahren, sofern sie ihren Unternehmenszweck nicht grundlegend ändern. Prinzipiell muss die Digitalisierung auf allen Betriebsebenen Einzug halten, von den Arbeitsabläufen, dem Personal (wo wir noch einen genaueren Blick drauf werfen werden), der Produktion bzw. dem Produkt selbst, bis hin zu Kundenservice und Marketing.

Letztlich liegt es in der Verantwortung der Unternehmensspitze, nützliche Technologien und Umgestaltungsmöglichkeiten zu erkennen und anzuwenden.

Folgendes können mögliche Maßnahmen für die Implementierung von digitalen Technologien sein, um die digitale Transformation ins Unternehmen zu holen:

  • Beobachten und handeln: Technologien ausfindig machen oder gar selbst entwickeln und einsetzen
  • Kommunikation: neue Kanäle einrichten, überwachen und klug nutzen, danach handeln
  • Touchpointanalyse in der Kundenkommunikation eröffnet neue Wege in der Marktforschung
  • Daten einsetzen: Daten von Computern sammeln, auswerten lassen und entsprechende Konsequenzen sinnvoll ableiten (z.B. Abläufe besser zeitlich und inhaltlich aufeinander abstimmen)
  • Maschinen miteinander kommunizieren lassen
  • Nicht vor dem Einsatz von AI und Automatisierung zurückschrecken, v.a. in Gebieten wie Logistik, Scheduling, Kommunikation, Service, Stichwort: Intelligent Assistance
  • Konsequenz: Unternehmen gemäß der veränderten Arbeitsabläufe in Richtung einer agilen Organisation umstrukturieren, damit stetig an Entwicklungen gefeilt und herumprobiert werden kann

Um nicht von der digitalen Transformation verschluckt zu werden, ist es wichtig, nicht vor Technologien zurückschrecken, auch, wenn das bedeuten sollte, dass selbst das Kerngeschäft des Unternehmens verändert werden muss. Ganz gut beobachtbar ist das an der Institution der Taxiunternehmen. Wenn es in ein paar Jahren soweit ist, dass selbstfahrende Autos die Straßen erobern, wird ein herkömmliches Taxiunternehmen von der Konkurrenz abgelöst werden. Um das zu vermeiden, muss ein Unternehmen entweder frühzeitig auf den Zug aufspringen oder sich eine Alternative überlegen, die ebenfalls lukrativ zu betreiben ist.

Neben der Umsetzung digitaler Maßnahmen, die selbstverständlich wichtig ist, sollte allerdings auf eines nicht vergessen werden: Es geht zwar in Zukunft wohl hauptsächlich darum, mit Algorithmen und Daten zu arbeiten, aber das, was Futurist Gern Leonard ‚Androrithmen‘ nennt, wird künftig sicherlich genauso wichtig werden. Dabei geht es darum, was der Mensch – und zwar nur der Mensch und keinerlei Maschinen – leisten kann. Man wird sich überlegen müssen, was Teilbereiche des Unternehmens sind, die niemals von digitalen Technologien ersetzbar sein werden.

Beispiele aus dem HR: Digitales Human Resource Management

Bleiben wir doch gleich beim Thema: welche Bereiche werden automatisiert und welche Bereiche werden weiterhin von Menschen übernommen? Als Hausnummer gilt, dass nicht routinehafte, kognitive Tätigkeiten definitiv als durch Menschen zu erledigende Arbeit bestehen bleiben werden. Routinetätigkeiten, sowohl kognitiver als auch manueller Natur, werden von Maschinen erledigt werden können. Was nicht routinehafte manuelle Tätigkeiten angeht, werden ebenfalls Menschen unersetzbar bleiben.

Was bedeutet das aber für das Human Resource Management?

Die digitale Transformation bedeutet für die HR-Abteilungen der Unternehmen vor allem zweierlei: einerseits sind sie Mitgestalter der digitalen Transformation auf globaler Unternehmensebene, andererseits spielt sich die Digitalisierung selbstverständlich auch auf der HR-Ebene selbst ab.

HR als Mitgestalter der digitalen Transformation

Wie wir bereits gesehen haben, hat die digitale Transformation maßgebliche Konsequenzen für die Strukturierung von Arbeitsplätzen. Viele Stellenbeschreibungen werden in Zukunft nicht mehr dafür geschrieben werden, dass sich ein menschlicher Arbeitnehmer darauf bewerben kann, sondern höchstens für die interne Organisation und damit ein passendes Programm gewählt bzw. entwickelt werden kann, um die Arbeit zu erledigen. Als HR-Abteilung ist man maßgeblich daran beteiligt, die Personalstruktur so zu verändern, zu bauen und zu stabilisieren, dass eine wie auch immer geartete Form der agilen Organisation entstehen kann.

Mitarbeiter müssen so ausgewählt, geschult und koordiniert werden, dass die Unternehmensziele gemeinsam mit den digitalen Technologien erreicht werden können.

Digitalisierung auf HR-Ebene

Die Digitalisierung der Arbeitswelt verändert aber nicht nur die Aufgaben der HR-Abteilung, sie kann und sollte auch von ihr angewandt werden, um die eigenen Prozesse zu optimieren. Recruiting, Personalentwicklung, Kompetenzmanagement und viele weitere Aufgaben können durch digitale Anwendungen maßgeblich vereinfacht und verbessert werden. Außerdem werden weitere Aufgaben hinzukommen bzw. verstärkt gefragt sein, wodurch sich Arbeitsprozesse wandeln und die Personalabteilungen wohl zum Teil grundlegend umstrukturiert werden müssen.

Aktuelle Entwicklungen: Digital business transformation 2019

Vieles, was im Rahmen von digitaler Transformation besprochen wird, ist vielleicht Zukunftsmusik. Aber damit diese irgendwann einmal gespielt werden kann, müssen heute die ersten Schritte gesetzt werden. Was beispielsweise heute in Unternehmen implementiert werden kann und sollte ist die bereits erwähnte IA, die Intelligent Assistance. Technologien sollten in der Kommunikation zum Kunden eingesetzt werden und seien es nur umfassende, nützliche Informationen im Internet oder die Interaktion mit Produkten via App, was eigentlich auch schon wieder fast Schnee von gestern ist.

Big Data kritisch nutzen

In der HR-Abteilung ist es heute an der Zeit, Technologien und Daten einzusetzen. Wer bereits mit HR-Analytics arbeitet, umso besser, aber diese Tools müssen auch klug eingesetzt werden und sinnvolle Konsequenzen aus den Datenanalysen gezogen werden. Schließlich ist das abstrakte Denken das, was uns einen Vorteil den Daten und Analysetechnologien gegenüber verschafft. Ohne kritisches, kreatives Fragestellen („Wozu ist diese Information nützlich?“, „Ergibt dieser Vorschlag Sinn?“, „Geht es damit in eine vertretbare Richtung?“) bringt die beste Analyse der aufschlussreichsten Datensätze gar nichts.

Digitale Transformation durch Bildung mitgestalten

Das Human Resource Management wird sich künftig mit den Fachabteilungen zusammensetzen und darüber nachdenken, welche Arbeitsabläufe automatisiert werden und wie sich die Arbeitsplatzstruktur entwickeln wird. Aufgrund und mithilfe von Digitalisierung werden Stellen aufgelöst und Personal gezielt umgeschult und weitergebildet, um den Weg für ein digitalisiertes Unternehmen einschlagen zu können. Das allerdings mit Maß und Ziel, denn Technologien bergen Möglichkeiten, die in manchen Feldern schlichtweg unnütz sind, oder dem Personal und damit dem Unternehmen mehr schaden als helfen.

In der Weiterbildung haben digitale Möglichkeiten einen besonderen Stellenwert, denn die unterschiedlichsten Arten von Simulationen von Businesssituationen bis hin zum Bedienen von Arbeitsgerät sowie diverse virtuelle Trainingsprogramme können Wissensvermittlung auf eine ganz neue Ebene heben.

Potentialentfaltung und die Person in „Personal“

Durch Digitalisierung forcierte machine thinking und computational intelligence eröffnen unter anderem die Möglichkeit, das emotionale Denken und sämtliche andere Arten der menschlichen Intelligenz wieder in den Vordergrund zu stellen. Der Fokus liegt in Zukunft (und am besten so früh als möglich) auf abstrakt und kreativ denkenden Köpfen und zwar vom Recruiting bis zur Aus- und Weiterbildung. Der Charakter und die Arbeitsweise der Mitarbeiter werden immer wichtiger. Entscheidend ist nicht mehr, wer die meisten Abschlüsse und die besten Referenzen hat, sondern wer am besten zur Unternehmenskultur passt.

Automatisierung: nicht in die Falle tappen!

Automatisierung ist ein Begriff, der nicht selten mit Arbeitslosigkeit und sozialen Veränderungen verbunden wird. Wenn alle Routinearbeit nur noch automatisiert durch ein Programm erledigt wird, ergibt das allerdings nicht unbedingt weniger Arbeit, sondern mehr Kapazitäten für Weiterentwicklung und bessere Work-Life-Balance. Das kann man auch heute bereits im Hinterkopf behalten und damit sowohl soziale Politik aktiv mitgestalten als auch einen Mehrwert für das ganze Unternehmen schaffen.

Cyberangriffe, Datenschutz und Ethik: Erhöhte Risiken

Womit sich digital transformierte Unternehmen immer mehr beschäftigen sollten, ist der Datenschutz und die Angreifbarkeit über digitale Kanäle. Daten regieren die Welt und werden gerne ausgespäht, um hohe Profite oder andere Vorteile daraus zu schlagen. Auch davor werden sich Unternehmen in Zukunft schützen müssen, wenn die Datenberge für Hacker interessante Ausmaße anzunehmen beginnen.

Weiters können Entscheidungen, die zugunsten der Digitalisierung ausfallen, fatale ethische und sozialpolitische Folgen haben. Massenarbeitslosigkeit und die Verschmelzung von Mensch und Maschine sind typische Szenarien dafür. Diese Dinge sind unbedingt mitzubedenken, wenn man das Unternehmen zukunftsfit gestalten möchte. Wie weit will man gehen und inwieweit ist es überhaupt nützlich?

Letztendlich sollte auch aktiv mitgedacht werden, was man explizit nicht digitalisieren möchte. Nur, weil es einem die digitale Transformation möglich macht – und es wird in den nächsten Jahrzehnten unglaublich viel möglich werden – heißt das nicht, dass man es auch anwenden sollte. Um nicht auf einer gar so dystopischen Note zu enden, sei gesagt, dass die Digitalisierung heute künftig Unvorstellbares leisten wird können. Dadurch steht uns eine vielversprechende Zukunft bevor, die von Technologien geprägt sein wird, die dazu imstande ist, unser Leben zu verbessern. Wir müssen sie nur lassen und dahingehend steuern.