Agilität – agiles Arbeiten einfach erklärt

Agile Organisationagiles Projektmanagement, agile Methoden – von vielen Beratern wird die Umstellung auf agile Arbeitsweisen als Lösung für verschiedenste unternehmerische Probleme angepriesen. Auch wenn sich die Prinzipien schnell erklären lassen, ist oft weniger klar, was Agilität in der Praxis bedeutet. Im Folgenden erläutern wir daher die Bedeutung von Agilität im Unternehmen.

Definition: Was genau bedeutet Agilität?

Agilität ist eine Eigenschaft einer Organisation und ihrer Arbeitsabläufe und wird durch eine Umstrukturierung der Art und Weise, wie zusammengearbeitet wird, erreicht. Diese Veränderung kann einzelne Teams bis hin zur gesamten Organisation betreffen. Ziel ist es, dass proaktiv, statt nur reaktiv, auf Veränderungen eingegangen werden kann. Daraus leiten sich Konzepte und weitere Schwerpunkte ab, die wir in diesem Artikel genau beleuchten werden.

Wofür? Agilität im Unternehmen & Projektmanagement

Bevor das Wie und Was rund um Agilität betrachtet wird, sind die Vorteile agilen Arbeitens gegenüber klassischer Arbeitseinteilung zu klären. Was kann man sich von der Umstellung in Richtung einer agilen Organisation erwarten und was ist Agilität im Unternehmen imstande, zu leisten?

Digitalisierte Kommunikation

Durch schnellere und effizientere Kommunikationswege ist es möglich, viele verschiedene Parteien am Arbeitsprozess teilhaben zu lassen. Kunden können jederzeit befragt werden und das Feedback in den Arbeitsprozess einfließen. Diese Möglichkeiten sollten genutzt werden, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.
Heute gehen Veränderungen gefühlt von einem Tag auf den anderen vonstatten. Trends vergehen so schnell, wie sie sich eingestellt haben. Um auf Veränderungen auf dem Markt nicht nur schnellstmöglich reagieren, sondern diese auch proaktiv mitgestalten zu können, bedarf es Agilität.

Schnelleres Reagieren auf Veränderungen

Komplexe Projekte besser strukturieren

Ein Merkmal agiler Methoden ist es, große, komplexe Projekte in kleine Einheiten (Sprints oder Inkremente) zu zerteilen. So behalten alle Beteiligten einen Überblick  und können die Einheiten jederzeit verschieben oder verändern.
Da der Kunde Ergebnisse in kleineren Abständen geliefert bekommt und im Prozess Feedback geben kann, ist die Wahrscheinlichkeit höher, ein perfekt maßgeschneidertes Endergebnis zu erreichen.

Kundenzufriedenheit steigern

Mitarbeiterzufriedenheit steigern

In agilen Organisationen werden Teams gebildet, die an den Projektteilen selbstständig arbeiten. Starre Hierarchien und Anweisungen von „oben nach unten“ gibt es nicht und den Mitarbeitern wird mehr Initiativspielraum und Verantwortung zuteil. Das steigert nachgewiesenermaßen die Motivation der Mitarbeiter.

6 Dimensionen von Agilität: das „Trafo-Modell“

Agilität in Organisationen lässt sich auf verschiedene Weisen beschreiben. Welche Dimensionen in der Theorie unterschieden werden, kann variieren. Der Soziologe Talcott Parsons baut Agilität auf 4 Fähigkeiten auf:

  • Adaptation: die Fähigkeit, sich anzupassen
  • Goal attainment: die Fähigkeit, das Ziel nicht aus den Augen zu lassen (zum Beispiel durch Purpose als Triebfeder)
  • Integration: die Fähigkeit, die agilen Elemente der Organisation zusammenzuhalten
  • Latency: die Fähigkeit, das agile Konzept aufrecht zu erhalten

Den aufmerksamen LeserInnen unter Ihnen wird auffallen, dass sich die Initialen dieser Aspekte zusammen zur Abkürzung AGIL formen lassen. Ein anderer Ansatz schlüsselt das Konzept der Agilität anders auf und unterscheidet 6 Dimensionen, anhand derer sich Agilität leicht erklären lässt:

Agiles Zielbild des Unternehmens

Zu Agilität in Organisationen gehört immer, eine gewisse Unsicherheit und die Mentalität ein Problem in dem Moment anzugehen, wenn es auftaucht. Das bedeutet keineswegs, dass es in agilen Unternehmen unkoordiniert zugeht – zumindest tut es das im Idealfall nicht. Vielmehr bedeutet es, dass das Ziel des Unternehmens als Ganzes zwar klar ist, die Ziele einzelner Projekte zu Beginn allerdings nur grob definiert sind.

Agilität heißtin diesem Zusammenhang, dass eine definierte Richtung eingeschlagen wird, die je nach Feedback der Stakeholder immer weiter optimiert wird.

Kundenorientierung

Auf Kunden kann dank agilem Projektmanagement ein ganz neuer Fokus gelegt werden. Kunden sind nicht mehr Auftraggeber, die zu Beginn definieren, wie die für sie zu erarbeitende Lösung auszusehen hat, und dann erst wieder nach Fertigstellung miteinbezogen werden. Vielmehr bedeutet „agil arbeiten“ auch, dass Kunden in den Entstehungsprozess eng eingebunden werden, indem sie regelmäßig um Feedback gebeten und nach Abänderungswünschen gefragt werden.

Iterative Prozesse und Projektinkremente

Ein großes, komplexes Projekt wird beim agilen Arbeiten in viele kleine sogenannte Projektinkremente geteilt, die in iterativen Prozessen nacheinander in sogenannten Sprints abgearbeitet werden. Nach jedem Sprint wird dann das eben erwähnte Feedback eingeholt und dann neu definiert, in welche Richtung das Projekt geht und welche weiteren Sprints anstehen.

Mitarbeiterorientierung

Der Kern des Projekts sind im agilen Projektmanagement nicht mehr die Projektmanager, sondern die Teams. Sie sind für die Durchführung der Sprints zuständig und werden von den Führungskräften „nur“ unterstützt. Den Mitarbeitern werden damit mehr Vertrauen, Verantwortung und Wertschätzung entgegen gebracht. Sie werden gefördert statt unter Druck überfordert. In vielen Unternehmen wird so das Leadership der Zukunft aussehen.

Agile Mitarbeiterführung

Durch die veränderte Rolle der Mitarbeiter selbst verändert sich auch die Rolle der HR. Mitarbeiter werden enger in das Personalmanagement eingebunden, beispielsweise im Recruitingprozess oder bei der Personalentwicklung. Die HR kann außerdem mitverantwortlich dafür sein, aufgrund von Mitarbeiterdaten die Teams zusammenzustellen, die an den Projektinkrementen arbeiten.

Insgesamte agile Unternehmenskultur

Damit die oben genannten Faktoren umgesetzt werden und funktionieren können, braucht es die richtigen Rahmenbedingungen. Im Falle der Ägilität in Unternehmen bedeutet das mitunter die Schaffung einer geeigneten Unternehmenskultur. Enge Standardisierungen, Regeln und Denkmustern müssen aufgebrochen werden. Fehler müssen stärker akzeptiert werden und sollten nicht als solche gesehen werden, da agile Methoden Versuchsphasen beinhalten und ein schnelles Einlenken ermöglichen. Toleranz, Transparenz und offene Kommunikation lösen starre Hierarchien und unkollaboratives Top-Down-Arbeiten ab.

Ursprung von Agilität: Agile Softwareentwicklung

Nachdem Mr. Parsons in den 50ern die 4 Fähigkeiten der Agilität definiert hat, war es eine Zeit lang ruhig um das Konzept. In den 90ern wurde Agilität in Form von „agile manufacturing“ wieder populärer, bis 2001 schließlich die Softwareentwicklung agile Methoden für sich entdeckte und sie durch das vielzitierte „agile Manifest“ erfolgreich etablierte. Die dort definierten Werte und Richtlinien helfen, die Herausforderungen, die durch die schnell getakteten Entwicklungen, die in Folge von Digitalisierung und Industrie 4.0 entstehen, zu bewältigen. Veraltete Unternehmensstrukturen können abgelöst und durch effizientere ersetzt werden – vorausgesetzt, das entsprechende Change Management wird geplant und tiefgreifend angegangen.

 


Bild:

© fizkes – stock.adobe.com

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