Mitarbeiter werben Mitarbeiter: Alles über Prämien, Vorteile & Risiken

Eine Neuanstellung beginnt oft mit einem Vertrauensvorschuss – ob der Neuzugang ins Unternehmen passt, kann schließlich niemand vorhersehen. Oder doch? Möglich macht es das Konzept Mitarbeiter werben Mitarbeiter: Angestellte empfehlen Menschen aus ihrem Umfeld für eine freie Stelle und bekommen dafür eine Prämie. In diesem Beitrag finden Sie Beispiele für solche Prämien und viele weitere Informationen zum Thema Mitarbeiter werben Mitarbeiter!

Wie funktioniert das Konzept Mitarbeiter werben Mitarbeiter?

Der Name ist Programm: Bei einer Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Kampagne können Angestellte des Unternehmens gegenüber Bekannten eine Empfehlung aussprechen, sobald eine Stelle frei wird.

Im besten Fall ist die betreffende Person nun interessiert und bewirbt sich. Im allerbesten Fall werden aus empfohlenen Kandidaten langjährige Teammitglieder. Und was ist mit Bewerbungen, die doch nicht perfekt passen? Diese können theoretisch im Talent Pool gesammelt und als Vorauswahl für künftige Stellen parat gehalten werden.

Warum ‚Mitarbeiter werben Mitarbeiter‘ boomt? Ganz einfach deshalb, weil das Prinzip für alle Beteiligten diverse Vorteile bringt:

Vorteile für Unternehmen Vorteile für Mitarbeiter
  • Ohne großen Zeit- und Kostenaufwand ist die Vorauswahl bereits getroffen.
  • Das Einarbeiten geht tendenziell schneller.
  • Viele erfolgreiche Empfehlungen sind ein gutes Indiz für positives Employer Branding.
  • Wenn die Chemie stimmt, besteht Potenzial für ein langfristiges Arbeitsverhältnis.
  • Eine freundschaftliche, wertschätzende
  • Mitreden zu dürfen, steigert die Mitarbeitermotivation und wird als Zeichen der Wertschätzung empfunden.
  • Der Teamgeist ist umso stärker – schließlich sind alle schon miteinander vertraut.
  • Es ist ein gutes Gefühl, etwas für den/die Bekannte/n getan zu haben.
  • Der Arbeitgeber belohnt das Engagement auf die eine oder andere Art.
  • Neue Mitarbeiter können sicher sein, dass es sich um eine ehrliche Empfehlung handelt.

Es ist kein Wunder, dass große Konzerne wie die Deutsche Bahn, Siemens, Randstadt oder die Deutsche Post längst diesen Weg gehen, um neue Mitarbeiter zu akquirieren. Allerdings reicht es nicht, Mitarbeiter auf offene Stellen hinzuweisen und sich dann zurückzulehnen, bis die ersten Bewerbungen eingehen – ganz im Gegenteil.

Wann ist das Mitarbeiterempfehlungsprogramm à la DB und Co. erfolgreich?

Die wichtigste Voraussetzung zuerst: Wer empfohlen werden will, muss etwas dafür tun, Stichwort Employer Branding und Mitarbeiterbindung. Denn nur, wer mit seinem Arbeitsplatz absolut zufrieden ist, empfiehlt den Arbeitgeber guten Gewissens weiter.

Mitarbeiterzufriedenheit ist also die Basis. Dazu müssen sich jedoch noch weitere Faktoren gesellen, wenn das Konzept aufgehen soll.

  • Transparenz: Es muss stets offensichtlich sein, welche Stellen gerade frei sind.
  • Niederschwelligkeit: Die Informationen zur freien Position müssen so leicht zugänglich wie nur möglich sein. So können Mitarbeiter z. B. die Stellenanzeige per Flyer in sozialen Netzwerken
  • Erfolgsmessung: Mit den richtigen KPIs lässt sich messen, wie erfolgreich das Programm ist. Die KPIs können z. B. die Zahl der tatsächlich eingestellten Personen oder Kündigungen sein.
  • klare Spielregeln: Wer kann Empfehlungen aussprechen? Bekommt der Mitarbeiter die Prämie sofort oder erst unter bestimmten Bedingungen? Usw.
  • Feedback: Nicht jede empfohlene Person kann eingestellt werden. Um Frustration zu verhindern, sollte der Arbeitgeber Rückmeldung geben, warum es bei manchen Bewerbungen eben nicht geklappt hat.
  • die richtigen Anreize: Mitarbeiter brauchen einen Grund, warum es sich lohnt, bei der Werbekampagne mitzumachen.

Der letzte Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit: Ist eine Geldprämie am besten? Oder eine sogenannte emotionale Prämie in Form von Erlebnisgutscheinen? Oder ist das Prämiensystem am Ende gar hinderlich – sollte die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz nicht schon genug Motivation für die Mitarbeiter sein?

Prämiensystem für Mitarbeiter: Vorteile und Risiken

Dass das Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Konzept reichlich Vorteile hat, liegt auf der Hand. Aber wie steht es mit dem Bonus als Belohnungmuss es zwingend Geld sein? Schließlich werden die Prämien in brutto ausgezahlt, von steuerfrei kann also (meist) keine Rede sein. Zeit, genauer hinzusehen.

Mitarbeiter werben Mitarbeiter Praemien Auszahlung

Mitarbeiter akquirieren durch Bonus für bestehende Mitarbeiter – ja oder nein?

Die Antwort auf diese Frage ist zunächst einmal ein klares Ja! Immerhin bedeutet es für die Mitarbeiter einen gewissen Mehraufwand, neue Leute anzuwerben. Selbst wenn es nur heißt, dass man sich auf einen Kaffee trifft und entspannt über die Arbeitsstelle plaudert – auch das ist Zeit, die ein Mitarbeiter investiert, nicht zu vergessen das emotionale Involvement.

Ob der Bonus jedoch eine freiwillige Prämienzahlung sein muss, ist die andere Frage. Denn „mehr Geld“ klingt zwar zunächst verlockend, insgesamt kann die Rechnung aber nach hinten losgehen. Diese Risiken gehen mit einem finanziellen Bonus einher:

  • Bei einmaligen Sofortprämien kann es sein, dass Mitarbeiter beliebige Personen empfehlen: die Freundin, der man noch einen Gefallen schuldet oder den Cousin, der gerade auf Jobsuche ist. Das ist auf lange Sicht nicht hilfreich.
  • Das Gegenteil tritt ein: Mitarbeiter scheuen sich, jemanden zu empfehlen. Denn sie möchten vor ihrer Bekanntschaft nicht wirken, als wären sie nur auf die Prämie aus.

Eine mögliche Lösung ist es, von vornherein zu kommunizieren, dass es bei dem Empfehlungssystem um eine langfristige Sache geht.

Zum Beispiel kann ein Teil der Prämie ausgezahlt werden, sobald ein erster Kontakt zustande kommt. Die zweite Hälfte bekommt der Mitarbeiter, sobald die Probezeit des oder der neuen Angestellten erfolgreich vorüber ist und sich herausgestellt hat: Hier handelt es sich um hohes Potenzial.

Abgesehen davon ist es immer möglich, statt finanziellen Prämien auf eine Belohnung mit emotionalem Wert zu setzen – im Folgenden einige Ideen dafür.

Prämien für Mitarbeiter: Beispiele

Der finanzielle Bonus ist die offensichtlichste Option. Das ist insofern sinnvoll, als dass wohl kein Mitarbeiter einem kleinen (oder größeren) Plus auf dem Konto abgeneigt sein wird.

Gleichzeitig gilt es zu bedenken, dass dieses Plus vielleicht schnell wieder in Vergessenheit gerät. Daher lautet die Empfehlung oft: Prämien vergeben, die in Erinnerung bleiben und so einen positiven Eindruck hinterlassen:

  • Sachprämien in Form eines Erlebnis- oder Produktgutscheins, ggf. verbunden mit…
  • zusätzlichen Urlaubstagen
  • Zuschuss oder Kostenübernahme für eine Fortbildung, die die Person vielleicht schon lange machen wollte

Aus all diesen Prämien zieht der Mitarbeiter einen klaren Vorteil. Ob es nun mehr Freizeit ist, ein Event-Besuch, ein Abend im Nobelrestaurant oder doch das Kurszertifikat, das sich gut im Lebenslauf macht – dieser Bonus geht über den rein finanziellen Wert hinaus.

Solche Anreize funktionieren natürlich nur, wenn die Mitarbeiter echtes Interesse daran haben. Der Restaurantgutschein für das teure Steakhaus wird eine vegetarische Mitarbeiterin kaum begeistern. Und die angekündigte Fortbildung sieht ein introvertierter, voll ausgelasteter Mitarbeiter vielleicht eher als Stressfaktor.

Gut zu wissen:
Auf der sicheren Seite ist das Unternehmen, wenn Mitarbeiter selbst mitreden können, wann und wie sie ihre Sachprämie erhalten möchten.

Die Prämienhöhe

Noch einmal zurück zur finanziellen Prämie: Wie hoch sie ausfällt, bleibt jedem Unternehmen selbst überlassen. Manche entscheiden sich für einen gewissen Prozentsatz vom Gehalt, andere setzen auf „gleiches Geld für alle“.

Was davon am sinnvollsten ist, hängt stark von der Situation ab. Geht es um zeitlich begrenzte Positionen? Eine dauerhafte Anstellung? Neue Auszubildende? Führungspositionen mit hoher Verantwortung? Empfehlungen für eine erfahrene Fachkraft zum Beispiel sollten einem Unternehmen auf jeden Fall etwas wert sein.

Mitarbeiter werben Mitarbeiter Konzept Prämien

Zur Orientierung: Die DB etwa vergibt im Rahmen der „Freunde werben“-Kampagne 500€ für Mitarbeiter, die passende Leute für ein duales Studium empfehlen können.

Ist die Prämie steuerfrei?

Nein, Prämienzahlungen sind nicht steuerfrei und werden in brutto ausbezahlt. Je nachdem, wie hoch die Prämie ausfällt, kommt also unter Umständen nicht viel bei dem Mitarbeiter an. Allerdings gibt es für Arbeitgeber durchaus Möglichkeiten, steuerlich geschickte Prämien zu gewähren:

  • Sachbezüge im Wert von 60€ pro Monat sind steuerfrei.
  • In manchen Branchen gibt es einen Rabattfreibetrag von max. 1080€ pro Jahr. In diesem Rahmen können Mitarbeiter die Produkte oder Dienstleistungen des Unternehmens vergünstigt und unversteuert einkaufen.
  • Prepaid-Kreditkarten mit bis zu 44€ Guthaben pro Monat fallen unter die Steuerfreigrenze. Arbeitnehmer können selbst entscheiden, wie sie dieses Guthaben ausgeben möchten.

Mitarbeiter werben Mitarbeiter: das Anschreiben

In einem kleinen Unternehmen mag es funktionieren, dass die Empfehlungen mündlich weitergetragen werden. Sehr viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass pro Tag mehrere Bewerbungen eingehen. Wie soll die HR-Abteilung da wissen, welche Bewerbung auf Empfehlungsbasis beruht?

Das verrät oft das Anschreiben. Hier finden sich dann Formulierungen wie „Bewerbung auf Empfehlung eines Mitarbeiters“. Apropos Bewerbung: Unternehmen sollten vom ersten Kontakt an auf eine gute Candidate Experience achten. Denn unbeantwortete Bewerbungen, unbegründete Absagen auf Bewerbungen etc. machen einen schlechten Eindruck.

Mitarbeiter werben Mitarbeiter: ein Konzept mit Zukunft – und Risiken

Alle Beschäftigten eines Unternehmens sind dort angestellt, weil sie zur Firmenphilosophie passen. Da ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass im Bekanntenkreis dieser Beschäftigten eine Person wartet, die ebenfalls gut in das Unternehmen passen würde. Dieser Grundgedanke macht das Prinzip Mitarbeiter werben Mitarbeiter so vielversprechend.

Dennoch sollte ein Arbeitgeber sich nicht nur auf dieses Empfehlungsprogramm verlassen. Ein paar Fallstricke gibt es nämlich, und der wohl größte ist der Faktor Diversität:

  • Wir alle neigen dazu, uns mit Personen zu umgeben, die ähnliche demografische Merkmale und Einstellungen wie wir selbst haben.
  • Durch das Empfehlungskonzept entsteht womöglich ein allzu homogenes Team – und neue Perspektiven werden Mangelware.

Um es noch einmal pauschal zusammenzufassen: In einer perfekten (Arbeits-)Welt hätte jeder und jede die gleichen Chancen auf eine Anstellung. In der Realität allerdings beeinflussen Geschlecht und Herkunft nach wie vor, wer es überhaupt ins Vorstellungsgespräch schafft. Frauen, behinderte Personen oder People of Color sind nur einige der Gruppen, die bei „Vitamin B“ oft auf der Strecke bleiben.

Wer also ausschließlich auf das Konzept Mitarbeiter werben Mitarbeiter setzt, lernt die größten Talente womöglich nie kennen – nur deshalb, weil es im Team niemanden gibt, der sie empfehlen könnte.

Eine verpasste Chance für das Unternehmen, wie die internationale Diversitätsstudie von McKinsey (2017) gezeigt hat: Dabei stellte sich heraus, dass Unternehmen mit sehr diverser Besetzung überdurchschnittlichen Profit erzielen konnten. Was durchaus logisch ist, bedeutet doch ein diverses Team eine Vielfalt an Perspektiven, wie sie durch verschiedene Lebensrealitäten entstehen.

Dennoch: Mitarbeiter werben Mitarbeiter kann als eine von mehreren Strategien sehr gut funktionieren und eine Bereicherung für das Human Resource Management sein. Wie so oft ist es eine Frage der Balance – und den Versuch eindeutig wert.

Bildquellen:

Bild 1 & 2: © fizkes – stock.adobe.com
Bild 3: © H_Ko – stock.adobe.com

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