Digitalisierung der Arbeitswelt

Digitalisierung ist ein Thema, das zugleich Hoffnungen und Ängste weckt. Der Angst vor drohenden Verlusten von Arbeitsplätzen stehen Ideen von höherer Steuerungstransparenz und Prozesseffizienz entgegen. Indem Risiken eingeschätzt und Chancen der Digitalisierung der Arbeitswelt erkannt werden, könne Entscheidungen am Arbeitsplatz auf die Zukunft ausgerichtet getroffen werden.

Chancen und Risiken einer digitalisierten Arbeitswelt

Will man sich der Digitalisierung annehmen und sie umsetzen, finden sich dazu die unterschiedlichsten Ansätze. Bei dem Wunsch, sein Unternehmen zu modernisieren, verlieren sich viele im unüberlegten Aktionismus. Ansätze in Richtung „Dafür entwickeln wir eine App.“ oder der Aufbau von eigenen LAPS (Local Administrator Password Solution) stehen dabei nur exemplarisch für gängige, oft durchaus sinnvolle, aber auch kurzsichtige Initiativen.

Dabei reicht es, sich für einen Überblick zunächst bewusst zu machen, was die Digitalisierung leisten kann. Besonders effizient kann sie bei der Automatisierung von Routineprozessen eingesetzt werden. Abläufe, die sich nicht maßgeblich verändern, laufen ab ihrer Digitalisierung von allein ab.

Seltener werden digitale Methoden genutzt, wenn es um Aufgaben geht, die höherer kognitiver Funktionen bedürfen. Wird beispielsweise gefordert auf eine Veränderung einzugehen und den Prozess entsprechend zu optimieren, kann noch weitestgehend nicht auf den Menschen verzichtet werden. Mithilfe von künstlicher Intelligenz (AI) können jedoch zum Teil auch Aufgaben, in denen das Lernen aus Daten erforderlich ist, automatisiert werden.

Chancen

  • Wertschöpfung durch Effizienzgewinne auf Basis von Automatisierung
  • Schnellere Steuerungstransparenz des Prozessablaufs
  • Wegfallen uninteressanter Arbeit, Anreicherung der Jobs um kreative Arbeitsinhalte
  • Simplifizierung von Prozessen durch Vernetzung
  • Flexibilisierung der Arbeitsbedingung und bessere Vereinbarkeit von Freizeit und Beruf
  • Bewältigung und Erleichterung des Alltags mithilfe von Maschinen

Risiken

  • Abbau von Arbeitsplätzen
  • Verlust an Flexibilität durch starre IT Workflows
  • Fachkräftemangel bei neu entstehenden Arbeitsstellen
  • Übertechnisierung und damit Verkomplizierung von Prozessen
  • Verschwimmen der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit und Mangel an Auszeit durch ständige Erreichbar- und Abrufbarkeit
  • Vereinsamung durch Wegfall persönlicher/menschlicher Kontakte

Die große Chance bei der Digitalisierung besteht darin, lästige und aufwendige Routineprozesse, an eine Maschine abzugeben. Auf verschiedensten Kanälen wird im Bezug auf diese Chance auf ein erhebliches Risiko der Digitalisierung der Arbeitswelt aufmerksam gemacht: Durch die zunehmende Automatisierung gehen Arbeitsplätze verloren. Gelichzeitig besteht das Risiko, dass die kreativen, komplexen neuen Arbeitsfelder, die viel Expertise benötigen, aufgrund von Fachkräftemangel nicht zufriedenstellend besetzt werden können. Umschulung ist ein Ansatz hier Abhilfe zu schaffen. Gerade für ältere Generationen ist hiermit in vielen Fällen keine zufriedenstellende Lösung gefunden. Dadurch befürchten viele einen Anstiegt der Arbeitslosigkeit.

Felder wie Mobilität, Vernetzung, Kommunikation, Produktion können vereinfacht und schneller gestaltet werden, wobei man digitale Werkzeuge auch sinnvoll einsetzen muss. Um nicht zu riskieren, unnötig Ressourcen für wenig effektive Maßnahmen zu vergeuden, sollte man sich im Vorhinein überlegen, was das Problem ist und lösungsorientiert digitalisieren. Eine App ergibt nicht bei allen Geschäftsmodellen Sinn. Digitalisierung sollte also zielgerichtet implementiert werden, damit die Prozesse tatsächlich vereinfacht und nicht verkompliziert werden.

Werden Daten und Programme intelligent in die Arbeitsabläufe integriert bzw. selbige damit überwacht, gewinnt das Unternehmen eine hohe Transparenz bei der Steuerung der Prozesse. Stauungen und Leerläufe können einfach identifiziert und abgebaut werden, was die Effizienz erheblich steigern kann. Dadurch und auch durch den direkten Ersatz von menschlichen Arbeitskräften durch Maschinen und Algorithmen ergibt sich zwar ein wesentlicher Vorteil für die Wertschöpfung des Unternehmens, gleichzeitig bedeutet das aufgrund der oben angesprochenen sozialen und demografischen Folgen, das Aufkommen neuer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Probleme.

Für viele Arbeitnehmer sicher positiv zu sehen, sind die flexibleren Arbeitsbedingungen und die bessere Vereinbarung von Privaten mit Beruflichem. Angestellte sind zeitlich und örtlich nicht mehr gebunden, wenngleich sie dadurch in Zugzwang kommen auch immer und überall erreichbar zu sein. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen zunehmend.

Ein letzter Punkt ist besonders in Bereichen wie der Pflege beobachtbar. Gerade hier kann die Bewältigung diverser Arbeitsschritte erheblich erleichtert werden. Da sich Pflegeberufe jedoch auch verstärkt durch soziale Interaktion auszeichnen, riskiert man hier eine Vereinsamung, da menschliche Interaktion zunehmend wegfällt. Selbst beim Einkauf oder in der Gastronomie ist das zu beobachten.

Auswirkungen und Folgen der Digitalisierung der Arbeitswelt

  • Wegfall von Arbeitsplätzen deren Umverteilung auf andere Beschäftigungszweige
  • Flexibilisierung und damit bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben sowie Lockerung von Hierarchien
  • Menschlichkeit, Soziales, Zwischenmenschliches und Social Skills werden aufgewertet, da diese nur schwer von Maschinen übernommen werden können. Passiert das nicht, besteht das Risiko der Vereinsamung.
  • Soziale Ungleichheiten durch Umverteilung des Vermögens, „The Winner Takes It All“-Prinzip: Trotz kleiner Teams und Entwickler, streichen Großkonzerne die Gewinne ein.
  • Umstrukturierung des Lernens, sowohl in Bezug auf Methoden als auch Inhalte (Stichworte: maschinelles Lernen, VR, selbständiges Lernen)

Natürlich handelt es sich bei dieser Auflistung an möglichen Auswirkungen und Folgen einer Digitalisierung der Arbeitswelt nur um Hypothesen. Niemand kann mit Sicherheit vorhersagen, wie moderne Technologien Arbeit und Gesellschaft beeinflussen werden. Sicher ist, dass die Digitalisierung nicht aufzuhalten ist und es wie bei jeder Industriellen Revolution Verlierer und Gewinner im Prozess gegeben wird.

Digitalisierbare Aufgabenfelder: welche sind „gefährdete“ Tätigkeiten?

Wenn man sich fragt, ob ein Beruf bald der Geschichte angehören und von einer Maschine erledigt werden wird, hilft es sich eine einfache Frage zu stellen: Ist die Tätigkeit ein sich immer wiederholender Routineprozess? Wenn ja, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass man ein Programm schreiben kann, das die Arbeitsschritte ebenso durchführen kann.

Erfinder, im weitesten Sinne des Wortes, hingegen denken sich Neues aus und müssen sich flexibel auf Veränderungen einstellen können. Zumindest noch ist keine AI in der Lage, menschliches Denken in all seinen Facetten nachahmen zu können. Solche Berufe werden noch für einige Zeit nicht von einem Rechner ausgeführt werden.

Menschen, die auf komplexe Art und Weise mit anderen Menschen zusammenarbeiten, gehen auf Gefühlsregungen ein. Soziale Prozesse, Kommunikation (nicht die Medien, aber die Kommunikation selbst), Tätigkeiten, bei denen zwischenmenschliche Interaktion ein wichtiger Faktor ist, werden nicht so schnell ersetzt werden können, auch nicht von künstlicher Intelligenz.

Die Entwicklung von AI kann zwar potenziell enorm viel, aber es wird ncoh einige Zeit brauchen, bis sie auch Dinge erledigen kann, die mit menschlicher Psyche und Gefühlen zusammenhängen.

Konkret werden hauptsächlich folgende Tätigkeitsfelder betroffen sein:

  • Fertigung und Produktion
  • Einfache Büroarbeiten, Verwaltung
  • Verkauf und Beratung
  • Logistik
  • Finanzen

Einen Mangel wird es in Zukunft vermehrt an Fachkräften, die die digitale Infrastruktur herstellen, weiterentwickeln und betreuen, geben, sprich Programmierer, (IT-)Techniker und ähnliches. Außerdem stellt sich die Frage, ob manche Berufsfelder nur zum Teil oder gänzlich verschwinden werden. Besonders in Pflegeberufen beispielsweise können Roboter zwar die Arbeit erleichtern, aber ob es den zu Pflegenden tatsächlich zuträglich ist, wenn sie kaum mehr Kontakt zu menschlichen Pflegenden haben, ist fraglich.

HR Digitalisierung
Die Digitalisierung kann unter Umständen zu einer Vereinsamung der Arbeitnehmer führen.

Was bedeutet Digitalisierung für das Personalmanagement?

Für das Personalmanagement bietet die Digitalisierung Chancen auf zwei Ebenen: zum einen kann es die eigenen Prozesse zunehmend digitalisieren, zum anderen kann und sollte es sich auf die Veränderungen in der Personalstruktur einstellen bzw. sie aktiv mitgestalten.

Veränderung der Personalarbeit auf Basis der Digitalisierung:

  • Rollenveränderung weg von administrativen Tätigkeiten hin zur Personalentwicklung
  • Digitale Kompetenzen zu bisher stark juristischen und arbeits- und organisationspsychologischen Fähigkeiten aufbauen
  • Anpassung und Veränderung von Personalinstrumenten

Digitalisiertes Recruiting via Plattformen wie LinkedIn und XING oder auch Facebook und Twitter, auf denen die Unternehmen potentielle Mitarbeiter finden und nicht umgekehrt, könnte eine der neuen Möglichkeiten sein und dazu führen, dass potentielle Arbeitskräfte ihre Kompetenzen und Kenntnisse frei anbieten und Arbeitgeber sich dann bedienen können. Das kann man auf ähnliche Weise in den unternehmensinternen Raum übersetzen, wobei beispielsweise für jedes neue Projekt Mitarbeiter entsprechend ihrer Qualifikationen aus dem bestehenden Pool ausgesucht werden können. Dies wird wiederum durch Programme erleichtert, die Mitarbeiterprofile genau ausarbeiten und ihre Kompetenzen dokumentieren, Stichwort: Competency Management. Womöglich werden Mitarbeiter in einem solchen Szenario automatisch mittels AI einander zugewiesen, je nachdem, ob sie potenziell gut zusammenarbeiten.

Wie die Implementierung digitaler Prozesse im Personalmanagement konkret aussehen kann und muss, ist selbstverständlich von Organisation zu Organisation verschieden und orientiert sich am Geschäftsmodell.

Personalabteilungen im Driverseat bei der Umsetzung der Digitalisierung:

  • Vorbereitungsmaßnahmen für mögliche Reorganisationen und Restrukturierungen
  • Analyse von Arbeitsabläufen, um das Digitalisierungspotential der Jobs zu identifizieren
  • Rahmenbedingungen im Sinne von Betriebsvereinbarungen für mobiles Arbeiten, flexiblere Arbeitszeiten, etc. schaffen
  • Organisationsumbau (agile Strukturen)
  • Den kulturellen Wandel vorantreiben (veränderte Führung, neues Mindset, etc.)

Wenn es darum geht, die Digitalisierung im Unternehmen umzusetzen, kann das Personalmanagement eine aktive Rolle einnehmen. Durch die Analyse von Arbeitsabläufen kann ermittelt werden, welche davon digitalisiert werden können. Damit sitzt die HR-Abteilung an der Wurzel der Restrukturierung des Unternehmens.

In puncto Einstellen auf die Veränderungen in der Unternehmensstruktur wird es wichtig werden, auf geistige Flexibilität und Agilität zu achten. Statt starrer Abteilungen wird es Projekte geben, die an Teams vergeben werden und Mitarbeiter müssen zum einen geeignet, zum anderen darauf vorbereitet sein und werden, um die unterschiedlichen Aufgaben bewältigen zu können.

Man wird keine bzw. weniger starke Führungskräfte mehr brauchen, sondern Menschen, die in immer neuen Konstellationen zusammenarbeiten können und gemeinsam dazu im Stande sind, Lösungen zu finden, statt vorgegebene Lösungen der Führungsetage umzusetzen. Das birgt auch die Chance eines kulturellen Wandels, der in der Personalführung seinen Anfang nehmen kann.

Auswirkungen auf die Demographie und die Gesellschaft

Eine potenziell negative Auswirkung der Digitalisierung auf die Gesellschaft ist die Auflösung des Mittelstandes. Dadurch, dass Arbeitsplätze aufgelöst werden, drohen große Teile der Bevölkerung am Existenzminimum leben zu müssen.

Dabei stellt sich die Frage, ob die neu entstehenden Arbeitsfelder für eine so breite, arbeitslos gewordene Bevölkerungsgruppe ausreichen werden, oder ob andere Werkzeuge und Maßnahmen notwendig sein werden, um diese Menschen „aufzufangen“. Nicht zuletzt, weil nicht jeder, der seinen Job an die Automatisierung verliert, einfach umgelernt werden kann. Stichworte, die dabei immer wieder fallen, sind das bedingungslose Grundeinkommen oder Robotersteuern.

Weiters wird eine Verschiebung der Machtverhältnisse vorhergesagt. Durch Vernetzung und Resonanz entstehen Mitarbeiter-, Bürger- und Kundenrollen, die künftig mehr Macht ausüben können.

Außerdem wird man sich darum bemühen müssen, Lebensqualität und ethische Fragen nicht in den Hintergrund treten zu lassen. Das betrifft sowohl Bereiche wie Datenschutz und Überwachung, als auch Tierethik (Lebensmittelproduktion) und Gesundheit.

Zukünftige Herausforderungen und Lösungen

Einige der Herausforderungen, mit denen wir uns bezüglich der Digitalisierung konfrontiert sehen oder sehen werden, wurde in diesem Beitrag bereits angesprochen. Zu dessen (versöhnlichen) Abschluss, sollen allerdings auch noch einige Lösungen angesprochen werden, denn so sehr man Befürchtungen gegenüber den anstehenden Veränderungen hegen kann, bergen die Digitalisierung und der damit zusammenhängende Wandel ungeahnte Chancen.

Gerade in Bezug auf die Arbeitswelt kann die Digitalisierung das Leben wesentlich vereinfachen. Jobs, die eher notgedrungen als aus Leidenschaft bewältigt werden, könnten wegfallen und damit den Menschen, die diese Arbeiten ausführen mussten, um ihr Leben finanziell bestreiten zu können, neue Lebensqualität geben. Voraussetzung dafür ist, eine finanzielle Grundlage bleibt gegeben.

Hinter jeder Digitalisierungsmaßnahme sollte die Überlegung stehen: Was will man damit vereinfachen bzw. verbessern und welche Auswirkungen werden die Folge sein? An einigen Stellen kann es vernünftig sein, nicht mit einem aktuellen Digitalisierungstrend mitzugehen, nur um am Puls der Zeit zu bleiben. Viele überzogene Versprechungen einiger Lösungen, stellen sich im Nachhinein als Haltlos oder verfrüht heraus. An anderen Stellen muss eventuell zwischen Effizienz und Effekt gewählt werden. Während beispielsweise die automatische Bewältigung von Anrufen Callcenter Mitarbeiter spart, kann sie je nach Aufmachung Kunden verärgern. Dasselbe gilt in anderen Berufen mit viel Kundenkontakt entsprechend stärker. Nicht alles, was digital gelöst werden kann, sollte auch digital gelöst werden.

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