Business-Coaching für berufliche Weiterentwicklung

Das Bild des allwissenden Einzelkämpfers hat ausgedient: Heutige Fachkräfte dürfen auch mal anstehen – und Unterstützung von außen suchen. Bei der Reflexion beruflicher Themen bietet etwa das sogenannte Business-Coaching eine wertvolle Hilfe. In diesem Beitrag erklären wir, was dabei passiert und welchen Nutzen es hat.

Business-Coaching: kurze Definition

Aber worum handelt es sich hier eigentlich genau? Kurz gesagt: Es hilft individuellen Personen dabei, deren berufliches Potenzial voll auszuschöpfen. Dabei gibt der Business-Coach dem Klienten keine konkreten Ratschläge, sondern befähigt ihn dazu, eigene Lösungen zu finden. Weitere Merkmale: Die Gespräche finden in einem begrenzten Zeitraum statt und es wird an klar definierten Zielen gearbeitet.

Aus Sicht des Unternehmens handelt es sich beim Business-Coaching um ein Instrument der Personalentwicklung. Grundsätzlich können Berufstätige aller Hierarchie-Ebenen davon profitieren, am stärksten eingesetzt wird es aber für Führungs- und Fachkräfte.

Abgrenzung von verwandten Konzepten

In der BWL schwirren einige Begriffe herum, die auf den ersten Blick sehr ähnlich aussehen – aber doch nicht genau das Gleiche meinen. In der folgenden Übersicht haben wir die wichtigsten Unterschiede zusammengefasst.

Führungskräfte-Coaching, Leadership-CoachingBusiness-Coaching ist der Oberbegriff, da es auf allen hierarchischen Ebenen eingesetzt wird. Führungskräfte-Coaching und Leadership-Coaching sind also Spezialfälle davon.
Consulting bzw. BeratungEin Berater hat in der Regel mehr Fachwissen als der Klient und gibt auch direkte Empfehlungen. Ein Coach soll neue Lösungen und Perspektiven aus dem Klienten „herauslocken“, jedoch keine fachlichen Hinweise geben.
OrganisationsentwicklungBei der Organisationsentwicklung steht das gesamte Unternehmen im Fokus. Beim Business-Coaching geht es primär immer um eine einzelne Person.
Life-CoachingHier werden alle Lebensbereiche miteinbezogen, im Gegensatz dazu ist die Business-Variante auf die berufliche Ebene ausgerichtet.

Aber wie geht die hier primär thematisierte Art des Coachings nun vonstatten? Wagen wir einmal einen kurzen Blick hinter die Kulissen:

Was macht ein Business-Coach?

Das Coaching findet in der Regel in vertraulichen Eins-zu-eins-Gesprächen statt. Das heißt, der Klient trifft sich über einen gewissen Zeitraum regelmäßig mit seinem Coach und bespricht die Themen, die ihm am Herzen liegen. Meist dauert der Prozess mehrere Monate und die Treffen finden ein- bis zweimal im Monat statt.

Businesscoaching

Wie bereits erwähnt, darf man sich vom Coach jedoch keine konkreten Ratschläge erwarten. Ein guter Coach hilft einem dabei, selbst neue Sichtweisen zu entwickeln. Durch Empathie, Rückfragen und bestimmte Fragetechniken wird ein anderer Blick auf die Dinge möglich. Professionelles Business-Coaching ist dabei niemals manipulativ oder drängt den Klienten in eine bestimmte Richtung: Vielmehr zeichnet es sich durch eine wertschätzende und respektvolle Haltung aus – kann aber zuweilen auch kritisch sein. Mitunter wird der Business-Coach den Klienten auch aus dessen Komfortzone locken, um eingefahrene Muster zu verlassen.

Hier ein paar Beispiele für Methoden und Techniken, die zum Einsatz kommen können:

die WunderfrageDer Coach stellt die Frage: „Stellen Sie sich vor, über Nacht ist ein Wunder geschehen und alle Ihre Probleme sind gelöst. Woran würden Sie das merken?“ Diese Technik hilft dabei, den wahren Kern von Schwierigkeiten herauszufiltern, und ruft positive Lösungsideen hervor.
die Rede zum 80. GeburtstagHier soll man sich eine fiktive Rede zu seinem 80. Geburtstag ausdenken. Auf welches Leben möchte man zurückblicken? Diese Methode dient dazu, die eigenen Werte und Ziele zu bestimmen.
das innere TeamBei dieser Methode sollen die verschiedenen „inneren Stimmen“ identifiziert und benannt werden, also zum Beispiel die warnende, vorsichtige Stimme, die draufgängerische Stimme etc. Damit lässt sich beispielsweise Klarheit in schwierige Entscheidungen bringen.
Kompetenz-CheckMit einem vorgefertigten Raster werden systematisch die Stärken und Schwächen erfasst – sowohl in fachlicher als auch in persönlicher Hinsicht.
der leere StuhlEin leerer Stuhl repräsentiert die Ansicht einer anderen wichtigen Person im beruflichen Umfeld. Der Klient setzt sich auf diesen Stuhl und schildert die Situation aus der Sicht dieser Person. Mit dieser Technik könnte etwa eine Führungskraft herausfinden, wie Konflikte im Team zu lösen sind.

Sehen wir uns nun an, welche Resultate man von einem Business-Coaching erwarten kann:

Was bringt Business-Coaching?

Ein kompetenter Business-Coach befähigt seine Klienten zu neuen Perspektiven und Handlungen – sodass sich diese beruflich möglichst gut entfalten können. Die Ziele im Coaching-Prozess sind dabei individuell und richten sich nach den Wünschen der gecoachten Personen.

Mithilfe von professionellen Coaching-Gesprächen können sich beispielsweise folgende Ergebnisse einstellen:

  • Die eigenen Stärken und Schwächen werden deutlich und entsprechende Konsequenzen daraus gezogen.
  • Persönliche Werte und Ziele werden herausgearbeitet.
  • Ein Karriereplan wird erstellt, der mit den eigenen Werten übereinstimmt.
  • Führungskompetenzen werden entwickelt und gestärkt.
  • Die Rolle im Unternehmen wird klarer.
  • Veränderungen werden begleitet.
  • Eine berufliche Neuorientierung wird eingeleitet.
  • Verborgene Blockaden und werden überwunden.
  • Die Work-Life-Balance wird verbessert.
  • Vorhandene Ressourcen werden deutlich und als Wachstumschancen genutzt.
  • Handlungsstrategien, die sich nicht mehr bewähren, werden verändert.

Wirkt Business-Coaching tatsächlich?

In der Coaching- und Beraterwelt wird oft viel versprochen – doch lässt sich der Nutzen der Maßnahmen objektiv nachweisen? Dr. Carsten C. Schermuly ist Professor für Wirtschaftspsychologie und untersucht die Wirkung von Coaching auf Basis wissenschaftlicher Kriterien. Er kommt daraufhin zum Schluss:

„Die Wirksamkeit von Coaching ist eine wissenschaftlich fundierte Tatsache.“ (Schermuly 2019)

Als positive Folgen nennt Schermuly höhere Leistungsfähigkeit, bessere Selbstregulation und gesteigertes Wohlbefinden. Allerdings geht Schermuly ebenfalls darauf ein, dass es auch zu negativen Begleiterscheinungen kommen kann, zum Beispiel wenn sich eine Abhängigkeit gegenüber dem Coach einstellt.

Kritiker (beispielsweise Ely et al. 2010) weisen aber darauf hin, dass Aussagen von den Klienten selbst nicht immer ein guter Maßstab seien. Diese könnten dazu neigen, das Coaching übermäßig positiv zu bewerten oder die Verbesserung ihrer Fähigkeiten zu überschätzen. Evaluationen zur Wirksamkeit von Coaching sollten deshalb auf mehrere Quellen zurückgreifen: Mitarbeiter, Kollegen und Vorgesetzten.

Coaching in der Business-Welt: Einflüsse und Ursprung

Der Begriff „Coach“ wurde im Englischen zunächst vor allem im Leistungssport verwendet: Der Coach hat hier die Aufgabe, die Sportler zu höheren Leistungen im Wettkampf anzuspornen. In den 1970er Jahren wurde „Coaching“ auch im Managementbereich von Unternehmen populär: Einerseits verstand man darunter die zielgerichtete Förderung von Mitarbeitern, andererseits die Einzelberatung von Führungskräften.

Die Zielgruppe des Coachings war anfangs zunächst nur das Top-Management, weitete sich aber in der letzten Zeit immer mehr aus. Heute wird diese Leistung auch für das untere und mittlere Management angeboten – und vermehrt auch für Nachwuchskräfte.

Beim Coaching für Business-Zwecke finden sich Einflüsse aus vielen unterschiedlichen Richtungen. Wichtige Impulse kommen aus:

  • Leistungssport und Mentaltraining
  • Psychologie
  • Organisationsentwicklung
  • Soziologie

Business-Coaching: Welche Themen eignen sich?

Jetzt stellt sich noch die Frage: Wann ist ein Business-Coaching überhaupt sinnvoll? Schließlich ist so ein Coach meist nicht gerade günstig und die Investition sollte sich lohnen. Im Grunde kann ein Coaching vor allem in zwei Fällen nützen: Wenn es zu Problemen kommt oder sich neue Chancen eröffnen.

Vor allem in festgefahrenen Situationen bietet ein neutrale Außenperspektive neue Impulse – aber auch bei Veränderungen, wie zum Beispiel bei einer Unternehmensnachfolge, ist ein Coaching ratsam. Gerade im Rahmen des Change Managements kann es ein wertvolles Instrument für Personalverantwortliche sein.

Wie erkennt man einen guten Businesscoach?Woran erkennt man einen guten Business-Coach?

Grundsätzlich darf sich jeder als „Business-Coach“ bezeichnen und es gibt keine staatlich vorgeschriebene Ausbildung dafür. Umso wichtiger ist es, bei der Auswahl eines Coachs genau hinzusehen. Auf folgende Merkmale sollte man achten:

  • Zertifizierung und Ausbildung von seriösen Anbietern (zum Beispiel durch Universitätslehrgänge oder von der International Coaching Federation)
  • Idealerweise doppelte Kompetenz: pädagogisch-psychologische Basis gekoppelt mit wirtschaftlichem Knowhow. Fachliche Erfahrung in der Branche des Klienten ist ebenfalls sehr hilfreich.
  • Der Coach ist unvoreingenommen und orientiert sich an den Zielen des Klienten.
  • Nicht zuletzt: Der Sympathiefaktor muss stimmen.

Fazit: sinnvolle Maßnahme zur Mitarbeiterbindung und Personalentwicklung

Aus Unternehmenssicht kann das Business-Coaching eine Strategie sein, um wertvolle Fachkräfte im Betrieb zu halten. Wenn ein Mitarbeiter regelmäßig seine Werte und Ziele reflektiert – und sich gegebenenfalls intern neu orientieren kann – steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er im Unternehmen bleibt. Gerade bei Nachwuchskräften lohnt sich die Investition, da die jüngeren Mitglieder der Millennials und Generation Z viel Wert auf persönliche Weiterentwicklung legen.

Insgesamt wird diese Art des Coachings in der Personalwirtschaft immer mehr als wirksames Instrument geschätzt: Denn damit lässt sich die berufliche Leistung der Mitarbeiter steigern – bei gleichzeitig höherer Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Erfolgreiches Coaching ist also für Mitarbeiter und Unternehmen eine Win-win-Situation, von der beide Seiten gleichermaßen profitieren.


Weiterführende Literatur

Albrecht, Evelyn (2018). Business Coaching: Ein Praxis-Lehrbuch. Berlin, Boston: de Gruyter.

Ely, Katherine/Boyce, Lisa A./Nelson, Jonathan K./Zaccaro, Stephen J./Hernez-Broome Gina und Whyman Whynne (2010): Evaluating leadership coaching: A review and integrated framework. In: The Leadership Quarterly 21 (4), S. 585-599.

Migge, Björn (2011). Handbuch Business-Coaching. Weinheim, Basel: Beltz.

Schermuly, Carsten C. (2019). Erfolgreiches Business-Coaching: Positive Wirkungen, unerwünschte Nebenwirkungen und vermeidbare Abbrüche. Weinheim, Basel: Beltz.


Bildquellen:
© fizkes – stock.adobe.com

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