Zeiterfassungssysteme: Definition, Arten und Vorteile

Stundenzettel, Excel-Listen oder gar keine Erfassung: In vielen Unternehmen werden Arbeitszeiten noch immer lückenhaft dokumentiert. Dabei sind Arbeitgeber in Deutschland bereits heute verpflichtet, die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten zu erfassen. Eine Zeiterfassung Software macht die Dokumentation einfach, rechtssicher und auswertbar.

Dieser Guide zeigt, welche Arten von Zeiterfassungssystemen es gibt, welche Funktionen wichtig sind, welche Anbieter für welche Unternehmen infrage kommen, was die Software kostet und wie die Einführung gelingt.

Zeiterfassung Software im Vergleich: Anbieter auf einen Blick

Die Übersicht dient der ersten Orientierung und um einen Überblick über den aktuellen Markt zu erhalten.

Anbieter Typ Erfassung Unternehmensgröße Geeignet, wenn …
Personio All-in-One-HR App, Browser KMU Zeiterfassung Teil einer HR-Gesamtlösung sein soll
Factorial All-in-One-HR App, Browser KMU Zeiterfassung, Abwesenheiten und Personalakte aus einer Hand kommen sollen
clockin Spezialist App, Terminal KMU mobile Teams und Baustellen im Fokus stehen
Clockodo Spezialist App, Browser KMU Arbeits- und Projektzeiten gemeinsam erfasst werden sollen
Crewmeister Spezialist App, Browser Kleinbetriebe, KMU ein einfacher, günstiger Einstieg gesucht wird
TimeTac Spezialist App, Browser, Terminal KMU, Mittelstand Zeit-, Projekt- und Abwesenheitsverwaltung kombiniert werden sollen
ATOSS Workforce Management Terminal, App, Browser Mittelstand, Konzern komplexe Schicht- und Arbeitszeitmodelle abzubilden sind
SAP SuccessFactors HR-Suite App, Browser, Terminal (über Partner) Konzern die HR-IT bereits auf SAP basiert
Papershift Spezialist (Schichtplanung & Zeiterfassung) App, Browser KMU, Mittelstand Schichtplanung und Zeiterfassung zusammen gesteuert werden sollen
ZEP Spezialist (Zeiterfassung & Zeitwirtschaft) Terminal, App, Browser KMU, Mittelstand klassische Zeitwirtschaft mit Terminals und Projektzeiten gewünscht ist
rexx HR-Suite – Mittelstand die Zeiterfassung Teil einer modularen HR-Suite sein soll
HRworks All-in-One-HR App, Browser KMU, Mittelstand Zeiterfassung und Reisekosten Teil einer deutschen Cloud-HR-Lösung sein sollen

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Was ist der Unterschied zwischen Zeiterfassung und Zeitwirtschaft?

Eine Zeiterfassung Software, auch Zeiterfassungssystem (ZES) oder elektronische Zeiterfassung genannt, ist eine digitale Lösung. Sie dokumentiert Arbeitsbeginn, Ende und Pausen minutengenau. Die Buchung erfolgt per App, im Browser oder am Terminal. Daraus berechnet die Software automatisch Soll- und Ist-Zeiten, Überstunden und Zeitkonten. Moderne Systeme erfassen zusätzlich Urlaub, Krankheit und Home-Office-Tage und lassen sich in bestehende Unternehmenssoftware integrieren.

Zeiterfassung vs. Zeitwirtschaft

Die Begriffe werden oft synonym verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Tiefen:

Zeiterfassung Zeitwirtschaft
Kern Erfassen von Kommen, Gehen und Pausen Erfassen, Bewerten und Verwalten aller Zeitdaten
Funktionen Stempeln, Zeitnachweise, einfache Auswertungen Zusätzlich Arbeitszeitmodelle, Zeitkonten, Zuschläge, Abwesenheiten, Schichtplanung, Übergabe an die Lohnabrechnung
Typisch für Kleinbetriebe, einfache Arbeitszeitmodelle Mittelstand und Konzerne, Schicht- und Tarifbetriebe

Die meisten modernen Lösungen decken heute beides ab.

Anbietertypen: Welches Zeiterfassungssystem passt?

Es gibt verschiedene Arten von Zeiterfassungssystemen, die je nach den Bedürfnissen eines Unternehmens eingesetzt werden können:

Typ Stärken Grenzen Typisch für
Spezialisierte Zeiterfassungs-Apps Schnell eingeführt, günstig, mobile Nutzung Begrenzte Tiefe bei Tarif- und Schichtregeln Kleinbetriebe, KMU, Handwerk
All-in-One-HR-Software Zeiterfassung, Abwesenheiten und Personalakte integriert Komplexe Zeitwirtschaft oft eingeschränkt KMU
Workforce Management / Zeitwirtschaft Komplexe Modelle, Schichtplanung, Terminals, Tarifregeln Höherer Einführungsaufwand und Preis Mittelstand, Konzern, Schichtbetriebe
Modul in HR-Suite / ERP Einheitliche Daten, keine Schnittstellen Usability und Tiefe variieren stark Unternehmen mit bestehender Suite

In der Praxis werden die Erfassungsarten häufig kombiniert: ein Terminal in der Produktion, eine App für den Außendienst und der Browser für die Verwaltung, alles in einem System. Die meisten Lösungen werden als Cloud-Service (SaaS) angeboten. Installationen auf eigenen Servern (On-Premise) finden sich vor allem in großen Unternehmen mit besonderen IT-Anforderungen.

Welche Funktionen sollte eine gute Zeiterfassung haben?

Funktion Nutzen Priorität
Elektronische, taggleiche Erfassung Erfüllt die bestehende und die geplante Pflicht Pflicht
Arbeitszeitmodelle & Zeitkonten Gleitzeit, Teilzeit, Schicht und Vertrauensarbeitszeit korrekt abbilden Pflicht
Pausen- und Ruhezeitprüfung Warnt automatisch bei Verstößen gegen das ArbZG Pflicht
Abwesenheitsverwaltung Urlaub, Krankheit und Zeitausgleich im selben System Pflicht
Schnittstelle zur Lohnabrechnung Überstunden und Zuschläge ohne Doppelerfassung (z. B. DATEV, SAP) Pflicht
Rollen, Rechte & Freigaben Korrekturen und Anträge durch Führungskräfte genehmigen Pflicht
Employee Self Service Mitarbeitende sehen ihr Zeitkonto und stellen Anträge selbst Wichtig
Auswertungen & Exporte Überstunden, Auslastung und Nachweise für Prüfungen Wichtig
Projektzeiterfassung Zeiten auf Projekte und Kunden buchen Je nach Branche
Schichtplanung Personaleinsatz planen und mit Ist-Zeiten abgleichen Je nach Branche
Offline-Fähigkeit Buchungen ohne Netz, z. B. auf Baustellen Je nach Branche

Welche Vorteile hat eine Zeiterfassung Software?

  • Rechtssicherheit: Arbeitszeiten werden lückenlos, nachvollziehbar und unveränderbar dokumentiert. Automatische Prüfungen von Höchstarbeitszeiten, Pausen und Ruhezeiten helfen, Verstöße früh zu erkennen. Das dient auch dem Gesundheitsschutz, um den es bei der Erfassungspflicht im Kern geht.
  • Weniger Aufwand in HR und Lohnabrechnung: Stundenzettel einsammeln, abtippen und nachrechnen entfällt. Zeitkonten, Überstunden und Zuschläge werden automatisch berechnet und an die Lohnabrechnung übergeben.
  • Transparenz für Mitarbeitende: Beschäftigte sehen ihr Zeitkonto jederzeit selbst und können Urlaub oder Korrekturen direkt im System beantragen. Das schafft Vertrauen und reduziert Rückfragen.
  • Bessere Planung und Steuerung: Auswertungen zu Überstunden, Abwesenheiten und Auslastung unterstützen Führungskräfte bei der Personaleinsatzplanung. In Produktion und Projekten helfen sie bei Kapazitätsplanung und Kalkulation.
  • Flexible Arbeitsmodelle: Gleitzeit, Teilzeit, Homeoffice und mobiles Arbeiten lassen sich sauber abbilden. Das ist die Voraussetzung dafür, dass flexible Modelle rechtssicher bleiben.

Welche Herausforderungen gibt es und worauf ist zu achten?

  • Akzeptanz und Überwachungsängste: Zeiterfassung wird schnell als Kontrollinstrument wahrgenommen. Hilfreich sind offene Kommunikation zum Zweck (Gesundheitsschutz, faire Erfassung von Überstunden), klare Regeln zur Datennutzung und eine einfache Bedienung.
  • Betriebsrat und Mitbestimmung: Die Einführung einer elektronischen Zeiterfassung ist in der Regel nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG mitbestimmungspflichtig. Der Betriebsrat sollte früh eingebunden und eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen werden.
  • Datenschutz: Zeitdaten sind personenbezogen. Erforderlich sind Zweckbindung, Rollen- und Rechtekonzept, Löschfristen und ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter. Besonders sensibel sind GPS-Ortung und biometrische Verfahren wie Fingerabdruck. Sie sind nur unter engen Voraussetzungen zulässig.
  • Komplexe Arbeitszeitmodelle: Tarifliche Zuschläge, Schichtsysteme oder mehrere Standorte stellen hohe Anforderungen an die Konfiguration. Diese Regeln sollten vor der Auswahl dokumentiert und in Demos konkret geprüft werden.

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Was kostet eine Zeiterfassung Software?

Die meisten Cloud-Lösungen werden pro Mitarbeitendem und Monat abgerechnet.

Hinzu kommen je nach System:

  • Einrichtung und Konfiguration der Arbeitszeitmodelle
  • Hardware für Terminals sowie Chips oder Karten
  • Schnittstellen zur Lohnabrechnung und zu weiteren HR-Systemen
  • Schulung und laufende Administration

Zeiterfassungssystem einführen: 6 Schritte

  1. Bedarfsanalyse: Welche Arbeitszeitmodelle, Standorte und Mitarbeitergruppen gibt es? Wer arbeitet mobil, wer ohne PC? Welche Auswertungen und Schnittstellen werden gebraucht?
  2. Regeln dokumentieren: Pausen, Rundungen, Zuschläge, Gleitzeitrahmen, Überstundenregelung und Freigabeprozesse festhalten.
  3. Betriebsrat und Datenschutz einbinden: Zweck, Rechte, Auswertungen und Löschfristen in einer Betriebsvereinbarung regeln.
  4. System auswählen: Anforderungen priorisieren, Shortlist bilden und Anbieter mit echten Fällen demonstrieren lassen, etwa einer Nachtschicht mit Zuschlägen oder einer Korrekturbuchung.
  5. Pilot durchführen: In einem Bereich testen, Feedback sammeln, Einstellungen nachschärfen.
  6. Rollout und Betrieb: Schulungen, klare Ansprechpersonen, Papierlisten konsequent ablösen und Auswertungen regelmäßig prüfen.
Vor der Auswahl klären:Was soll mit dem System erreicht werden? Soll es stationär, mobil oder beides eingesetzt werden? Welche Schnittstellen sind nötig, etwa zu Abrechnungssoftware oder Projektplanung? Wie hoch darf die Investition sein? Wichtig sind außerdem Datenverschlüsselung, abgestufte Zugriffsrechte und eine intuitive Bedienung. Kündigen Sie die Umstellung rechtzeitig an und kommunizieren Sie offen mit den Mitarbeitenden.

Zukunft: KI in der Zeiterfassung

KI-Funktionen erkennen fehlende oder unplausible Buchungen, schlagen Korrekturen vor und warnen früh vor Überlastung. Prognosen zu Auslastung und Personalbedarf verbessern die Einsatzplanung. Chatbots beantworten Fragen wie „Wie viele Überstunden habe ich?“ direkt im Kollaborationstool. Mehr dazu im Ratgeber AI im HR.

Fazit

Zeiterfassung ist in Deutschland schon heute Pflicht und eine elektronische Erfassungspflicht zeichnet sich ab. Eine passende Zeiterfassung Software sorgt für Rechtssicherheit, entlastet HR und Lohnabrechnung und schafft Transparenz für Beschäftigte. Welches System passt, hängt vor allem von der Erfassungsart, der Komplexität der Arbeitszeitmodelle und der bestehenden HR-IT ab. Wer Regeln vorab dokumentiert, den Betriebsrat früh einbindet und Anbieter anhand echter Fälle prüft, vermeidet teure Fehlentscheidungen.

Häufig gestellte Fragen

Ein Zeiterfassungssystem dokumentiert Beginn, Ende und Pausen der Arbeitszeit digital per App, Browser oder Terminal. Daraus berechnet es Zeitkonten, Überstunden und Abwesenheiten.

Ja. Nach dem Beschluss des Bundesarbeitsgerichts vom 13.09.2022 müssen Arbeitgeber die Arbeitszeit erfassen. Eine bestimmte Form ist derzeit nicht vorgeschrieben. Eine Reform des Arbeitszeitgesetzes mit grundsätzlich elektronischer Erfassung ist geplant, aber noch nicht beschlossen.

Derzeit kann Excel zulässig sein, wenn die Erfassung vollständig, verlässlich und nachprüfbar ist. Sie ist aber fehleranfällig und leicht veränderbar. Mit der geplanten elektronischen Pflicht dürfte Excel für die meisten Unternehmen nicht mehr ausreichen.

Zeiterfassung meint das Erfassen der Arbeitszeiten. Zeitwirtschaft umfasst zusätzlich die Bewertung und Verwaltung: Arbeitszeitmodelle, Zeitkonten, Zuschläge, Abwesenheiten und die Übergabe an die Lohnabrechnung.

Ja. Bei Vertrauensarbeitszeit wird auf die Kontrolle der Lage der Arbeitszeit verzichtet. Die Erfassung der Arbeitszeit bleibt trotzdem erforderlich. Auch der Reformentwurf sieht vor, Vertrauensarbeitszeit weiter zu ermöglichen.

CLEVIS: HR Digitalisierung und Beratung - Nina Bauer
von Nina BauerBeraterin für HR-Digitalisierung und Transformation mit Erfahrung in internationalen Tech-Konzernen, Startups und einem der größten HR-Softwareanbieter. Wir unterstützen HR-Teams dabei, Prozesse effizient, digital und zukunftssicher zu gestalten.

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