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In vielen Ausschreibungen für HR-Software werden Angebote formal korrekt eingeholt, aber die eigentliche Bewertung der Anbieter bleibt jedoch unscharf. Persönliche Eindrücke aus Demos, einzelne Feature-Highlights oder Preisscheiben dominieren, während zentrale Fragen zu Passung, Integrationsfähigkeit und Umsetzungsstärke zu wenig gewichtet werden.

Nach Erfahrung von CLEVIS ist eine tragfähige Anbieterbewertung vor allem eine Frage der Struktur: Klare Ziele, ein sauberer Anforderungskatalog, definierte Bewertungskriterien und eine konsequent angewendete Bewertungsmatrix. Im Folgenden erläutern wir die wichtigsten Aspekte zur richtigen Bewertung von HR-Software-Anbietern.

Was macht eine „richtige“ Anbieterbewertung aus?

Aus Sicht von HR- und IT-Verantwortlichen geht es in einer Ausschreibung nicht nur darum, ein „gutes“ System oder einen „sympathischen“ Anbieter zu finden, sondern:

Eine strukturierte Anbieterbewertung vermeidet, dass:

  • einzelne Demos „begeistern“, obwohl wesentliche Muss-Kriterien fehlen,
  • Preisdiskussionen die Sicht auf Qualität und Risiko überlagern,
  • oder spätere Projektprobleme (Rollen-/Rechtesteuerung, Datenflüsse, Change-Aufwand) in der Ausschreibung nicht sichtbar waren.

Zielsetzung: Klarer Scope und Anforderungskatalog

Bevor Anbieter bewertet werden, braucht es eine saubere fachliche Grundlage:

  • HR-Zielbild: Welche Rolle soll HR künftig einnehmen? Welche Themen stehen im Fokus (HR-Core, Self Services, Talent, Zeitwirtschaft)?
  • Scope der Ausschreibung: Geht es um eine komplette HR-Suite, einzelne Module (z. B. Bewerbermanagement), oder um Implementierungs-/Beratungsleistungen?
  • Anforderungskatalog HR:
    • Muss-, Soll- und Kann-Anforderungen,
    • Integrationsanforderungen (Payroll, Zeit, Identity-Management, Finance),
    • Anforderungen an Rollen, Rechte und Zugriffe,
    • rechtliche und organisatorische Besonderheiten (Tarifwelten, Betriebsrat, Auslandsgesellschaften).

Dieser Katalog bildet die fachliche Basis für die spätere Bewertung, ohne ihn bleibt die Anbieterbewertung zwangsläufig unscharf.

CLEVIS hilft, die richtige HR-Software auszuwählen – anbieterunabhängig und ohne sich im Markt zu verlieren

Der HR-Software-Markt ist unübersichtlich: viele Anbieter, ähnliche Versprechen, unterschiedliche Architekturen. Wir zeigen, wie Unternehmen HR-Software strukturiert auswählen – passend zu Zielbild, Prozessen und Organisation.

Anbieterunabhängig
Bedarfsorientiert
Praxiserprobt

Wie lege ich welche Kriterien und deren Gewichtung fest?

Im nächsten Schritt wird die Bewertungslogik definiert, bevor erste Angebote eintreffen:

Kategorien festlegen

Typische Bewertungsblöcke in HR-Software-Ausschreibungen sind:

Pre-und-Onboarding-icon
Fachliche Eignung / Funktionalität
Learning-Training-icon
Prozessabbildung & Usability
Self-Services-icon
Technik & Integration
Schnittstellen-icon
Projekt- und Implementierungsansatz
Benefits-Boni-icon
Service & Support
Abrechnung-icon
Kosten & Vertragsbedingungen
Offboarding-icon
Anbieterprofil & Zukunftsfähigkeit

Gewichtungen je Kategorie

Je nach Unternehmensgröße und Projektschwerpunkt werden Kategorien unterschiedlich gewichtet, zum Beispiel:

Fachliche Eignung / Prozesse 30%
Technik & Integration 20%
Projekt-/Implementierungsansatz 20%
Kosten / TCO 15%
Service & Support 10%
Anbieterprofil 5%

Nach unserer Beobachtung hilft eine solche Gewichtung, spätere Diskussionen zu strukturieren: Ein preislich attraktives Angebot mit schwacher Prozess- oder Integrationspassung wird so nicht automatisch nach vorne gespült.

Fachliche Kriterien: Funktionalität und Prozesspassung

Im Bereich Fachlichkeit geht es darum, wie gut die Lösung zu den definierten HR-Prozessen und Use Cases passt.

Hier lassen sich folgende mögliche Kriterien abfragen:

  • Abdeckung der Muss-Funktionen (z. B. digitale Personalakte, Abwesenheitsprozesse, Mitarbeiter- und Manager-Self Services)
  • Unterstützung der Kernprozesse (Eintritt, Versetzung, Austritt, Organisationsänderungen, Mitarbeitergespräche, Talentprozesse)
  • Konfigurierbarkeit vs. Customizingbedarf
  • Rollen- und Rechtesteuerung in HR-Systemen (z. B. Sichtbarkeiten für HR, Führungskräfte, Mitarbeitende)
  • Benutzerfreundlichkeit aus Sicht von HR, Führungskräften und Mitarbeitenden

In der Praxis wird hier häufig eine Skala genutzt (z. B. 1–5 oder 1–10 Punkte), ergänzt um kurze Kommentare, warum eine Bewertung vergeben wurde.

Welche technischen Kriterien sind relebvant?

Technische Kriterien sind besonders wichtig, wenn die HR-Software in eine bestehende Systemlandschaft integriert wird. Vor allem durchgängige Stammdatenflüsse sollten im Blick behalten werden:

  • Architektur (Cloud/SaaS, On-Premise, Hybrid)
  • Schnittstellenfähigkeit zu:
    • Payroll-Systemen,
    • Zeitwirtschaft,
    • Finance/ERP,
    • Identity- und Access-Management (z. B. AD, IAM, EAM),
    • weiteren Drittsystemen.
  • Unterstützung durchgängiger Stammdatenflüsse (z. B. einheitliche Personen- und Organisationsdaten als Single Source of Truth)
  • Sicherheits- und Datenschutzkonzept
  • Mandanten- und Mehrsprachigkeitsfähigkeit, sofern relevant

Für die Bewertung empfiehlt es sich, IT frühzeitig einzubinden und technische Kriterien nicht nur „abzuhaken“, sondern auch qualitative Einschätzungen einzuholen.

Wer setzt das Projekt tatsächlich um?

In vielen Ausschreibungen wird die eigentliche Implementierungskompetenz des Anbieters unterschätzt. Nach Erfahrung von CLEVIS entscheidet sie wesentlich über Tempo, Qualität und Belastung des HR-Teams.

Relevante Kriterien:

  • Projektvorgehen (Phasierung, Meilensteine, Einbindung von HR/IT, Change & Enablement)
  • Verfügbarkeit und Erfahrung des Projektteams (Seniorität, Referenzprojekte, Branchenkenntnis)
  • Unterstützungsumfang:
    • Konfiguration & Customizing,
    • Schnittstellen,
    • Daten- und Dokumentenmigration,
    • Schulungen und Enablement.
  • Supportmodell nach Go-live (SLAs, Erreichbarkeit, Sprachunterstützung, Eskalationswege)
  • Referenzen in vergleichbaren Projekten (z. B. Unternehmensgröße, Branche, Komplexität)

Diese Aspekte lassen sich in der Bewertung beispielsweise durch Interviews, Referenzgespräche oder strukturierte Fragen im Rahmen der Ausschreibung konkretisieren.

HR-Transformation strukturiert umsetzen

CLEVIS: HR Digitalisierung und Beratung - Franziska Renger

Wir unterstützen Unternehmen bei der Umsetzung von HR-Transformationen – von Implementierungsbegleitung und Betriebskonzepten bis zu Change-Management, Training und Hypercare.

Welche Kosten sollten berücksichtigt werden?

Die Kosten sollten in der Anbieterbewertung nicht isoliert betrachtet werden, sondern im Rahmen einer einfachen TCO-Betrachtung (Total Cost of Ownership):

  • Einmalige Kosten:
    • Implementierung,
    • Migration,
    • Schulungen,
    • Add-ons.
  • Laufende Kosten:
    • Lizenzen / Subscriptions,
    • Wartung und Support,
    • Betriebs- und Infrastrukturkosten (falls On-Premise).
  • Folgekosten:
    • zu erwartende Anpassungen,
    • interne Aufwände (Projektteam, Key User, Support).

Eine gewichtete Bewertung (z. B. günstig / mittel / hoch in Relation zum Leistungsumfang) ist häufig aussagekräftiger als reine Euro-Betrachtung.

Wie lässt sich ein subjektives Bild objektivieren?

Systemdemos erzeugen naturgemäß Eindrücke, sowohl positive wie negative.

Um diese Eindrücke vergleichbar zu machen, empfiehlt sich ein strukturiertes Vorgehen:

  • Vordefinierte Use Cases:
    • z. B. „Onboarding eines neuen Mitarbeitenden“,
    • „Organisationswechsel mit Genehmigungen“,
    • „Anlage und Durchführung eines Mitarbeitergesprächs“,
    • „Selbstservice-Antrag im Portal“.
  • Beobachtungsleitfaden für das Bewertungsteam:
    • Wie viele Klicks sind nötig?
    • Wie verständlich sind Masken und Begriffe?
    • Wie flexibel wirkt das System bei Varianten?
  • Bewertungsbogen pro Demo:
    • Fachliche Passung,
    • Usability,
    • Übereinstimmung mit den eigenen Prozessen,
    • Fragen / Risiken.

So bleiben Demos Teil einer strukturierten Gesamtbewertung,  statt einzelner „Bauchgefühle“ im Nachgang.

Entscheidungsmatrix und Dokumentation

Alle Bewertungen münden idealerweise in eine gewichtete Entscheidungsmatrix:

  • Zeilen: Anbieter
  • Spalten: Bewertungskategorien (Fachlichkeit, Technik, Projekt, Service, Kosten, Anbieterprofil)
  • Gewichtung je Kategorie gemäß definierter Bewertungslogik
  • Automatische Berechnung eines Gesamt-Scores je Anbieter
Anbieter richtig bewerten - Entscheidungsmatrix

Die Matrix ersetzt nicht das fachliche Urteil, macht aber sichtbar:

  • warum ein Anbieter vorne liegt,
  • welche Stärken und Schwächen zu berücksichtigen sind,
  • und auf welcher Basis die Entscheidung getroffen wurde.

Für HR, IT, Geschäftsführung und – sofern involviert – Betriebsrat schafft diese Dokumentation Nachvollziehbarkeit, auch Monate oder Jahre nach der Entscheidung.

CLEVIS hilft, die richtige HR-Software auszuwählen – anbieterunabhängig und ohne sich im Markt zu verlieren

Der HR-Software-Markt ist unübersichtlich: viele Anbieter, ähnliche Versprechen, unterschiedliche Architekturen. Wir zeigen, wie Unternehmen HR-Software strukturiert auswählen – passend zu Zielbild, Prozessen und Organisation.

Anbieterunabhängig
Bedarfsorientiert
Praxiserprobt

Fazit: Struktur statt Bauchgefühl

Neutral betrachtet besteht eine „richtige“ Anbieterbewertung in einer Ausschreibung aus drei Elementen:

  1. Klare fachliche Basis:
    HR-Zielbild, Scope, Anforderungskatalog
  2. Transparente Bewertungslogik:
    definierte Kriterien, Gewichtungen, strukturierte Bewertungsbögen
  3. Konsequente Anwendung im Auswahlprozess:
    von der Marktsichtung über Demos bis zur Entscheidungsmatrix

Wo Unternehmen diese Schritte konsequent gehen, wird aus der Frage „Wer war im Termin am überzeugendsten?“ eine tragfähige Entscheidung: fachlich, technisch und wirtschaftlich begründet und damit anschlussfähig an die nächsten Phasen der HR-Digitalisierung.

Häufig gestellte Fragen

In der Praxis hat sich ein zweistufiges Vorgehen bewährt: Longlist mit ca. 6–10 Anbietern, um den Markt breit zu sichten. Und dann eine Shortlist mit 2–4 Anbietern, die anhand des Anforderungskatalogs ausgewählt werden.

Der Preis sollte ein wichtiges, aber nie das einzige Kriterium sein. In vielen Projekten liegt der Preisblock bei etwa 15–25 % Gewichtung in der Bewertungsmatrix. Entscheidender ist die Gesamtpassung aus Fachlichkeit, Integration, Umsetzungsstärke und Total Cost of Ownership über mehrere Jahre.

Eine einfache Matrix lohnt sich bereits, sobald:mehr als zwei Anbieter im Spiel sind, mehrere Stakeholder (HR, IT, Betriebsrat, Fachbereiche) beteiligt sind oder die Entscheidung langfristige Auswirkungen auf die HR-IT-Landschaft hat.

Ja, aber mit klarer Rolle: IT bewertet vor allem Architektur, Sicherheit, Integration und Betrieb. Betriebsrat bringt Anforderungen zu Transparenz, Mitbestimmung und Mitarbeitendensicht ein.

CLEVIS: HR Digitalisierung und Beratung - Nina Bauer
von Nina BauerBeraterin für HR-Digitalisierung und Transformation mit Erfahrung in internationalen Tech-Konzernen, Startups und einem der größten HR-Softwareanbieter. Wir unterstützen HR-Teams dabei, Prozesse effizient, digital und zukunftssicher zu gestalten.