Arbeitsplätze in der Industrie 4.0

Gravierende Veränderungen in so einem großen Bereich des alltäglichen Lebens, wie der Industrie und der Wirtschaft, können für Beunruhigung sorgen. Nicht selten bekommt man zu hören, dass die fortschreitende Automatisierung und Digitalisierung massenhaft Beschäftigungsverhältnisse tilgen würden. Was die Industrie 4.0 wirklich aus unserer Arbeitswelt macht, haben wir uns genauer angesehen.

Wie sieht die Industrie 4.0 aus?

Industrie 4.0 umfasst die Vernetzung aller menschlichen und maschinellen Akteure über die komplette Wertschöpfungskette sowie die Digitalisierung und Echtzeitauswertung aller hierfür relevanten Informationen, mit dem Ziel die Prozesse der Wertschöpfung transparenter und effizienter zu gestalten, um mit intelligenten Produkten und Dienstleistungen den Kundennutzen zu optimieren.i

Laut Prof. Armin Roth von der Hochschule Reutlingen zeichnet sich die Industrie 4.0 vor allem durch „vernetzte und kommunizierende Systeme“iiaus. Mensch und Maschine, sowie Maschinen untereinander werden miteinander verbunden, um Prozesse zu automatisieren und selbstständig ablaufen zu lassen. Ziel ist es, die Arbeit nicht mehr von Menschenhand erledigen zu lassen, sondern menschliche Fähigkeiten dazu einzusetzen, die Prozesse (mithilfe von Daten) zu durchschauen und so umzubauen, dass sie schneller und besser vonstattengehen.

Zwischen digital und real

Real bzw. analog ablaufende Prozesse werden also durch ein virtuelles bzw. digitales Netz ergänzt, das die Abläufe besser miteinander koordinieren kann. Konkret geht es dabei um die Kommunikation zwischen den verschiedenen Komponenten, Menschen genauso wie Maschinen. Der Mensch nimmt dabei lediglich die Rolle der „Entscheidungsinstanz an einer „geeignete[n] Mensch-Maschine-Schnittstelle“ eini.

Die Maschine ist dabei vor allem auch nicht mehr nur Kommunikationsmedium zwischen den Menschen, sondern Kommunikator für sich. Bei dem, was auch the Internet of Things and Services, kurz IoTSgenannt wird, stehen Mensch, Maschine und Ressource miteinander in Verbindung und werden so besser koordiniert. Das kann sich durch alle Ebenen eines Unternehmens ziehen und vor allem Prozesse näher aneinanderrücken. So können beispielsweise Kundenwünsche direkt(er) in den Produktionsvorgang einfließen.

Digitalisierung und Automatisierung: Chance oder Risiko?

Was mit dieser allgemeinen Definition noch nicht angesprochen wurde, ist die Tatsache, dass immer intelligentere Maschinen auch immer mehr Aufgaben selbstständig bewältigen können. Der Wegfall von Arbeitsstellen für Menschen ist ein Punkt, der daran am häufigsten kritisiert wird. Diesem Risiko werden wir demnach auch ein eigenes Kapitel widmen. Andererseits ergeben sich durch die „vierte industrielle Revolution“inatürlich auch Chancen, vor allem (aber nicht nur) für die Unternehmen.

Es wird beispielsweise leichter die Produkt- und Servicepalette zu erweitern bzw. den Kundenbedürfnissen besser anzupassen. Studien zufolge wird es außerdem möglich sein, Schnelligkeit, Flexibilität und Produktivität um bis zu 40% zu steigernii. Das machen Daten möglich, die nicht mehr gesammelt, berechnet und ausgewertet werden, wobei zwischen ihrer Entstehung und dem Endergebnis viel Zeit verstreichen kann.

In der Industrie 4.0 werden Daten in Echtzeit bereitgestellt, die sofort zur Optimierung bestimmter Knotenpunkte im Prozess zu Rate gezogen werden können. Das wird soweit gehen, dass die Maschinen die Daten einfach selbst auswerten und sich danach richten.

Das bringt auch im Bereich der menschlichen Arbeitskraft diverse Chancen mit sich. Die Gestaltung der Arbeit kann sich an den Menschen und die jeweilige Lebenssituation anpassen, die Möglichkeiten des „Job-Enrichment“ und „-Enlargement“werden durch immer aktuelles Trainingsmaterial ausgebaut, neue Karrieremodelle können erstellt werden, somit die Diversität unter den Beschäftigten gesteigert und der Fachkräftemangel bekämpft werden. Zu guter Letzt verspricht man sich durch die Flexibilisierung der Arbeitsorganisation auch eine bessere Lebensqualität.iii

Weniger Arbeitsplätze durch Industrie 4.0?

Hinter jeder Automatisierungsmaßnahme steht die Vision der menschenleeren Fabrik. Produktion wird allein von Maschinenhand erledigt und der Mensch muss sich nicht mehr mit der harten, körperlich anstrengenden und einsilbigen Fabrikarbeit herumschlagen. Das klingt an sich doch erstrebenswert, wäre da nicht die Tatsache, dass die Arbeitsstelle für viele ihre Existenzgrundlage bildet. Keine Arbeit – keine Existenz, weder finanziell noch was die Identität und den sozialen Status betrifft.

Die Prognose der Massenarbeitslosigkeit hängt wie ein Damoklesschwert über der Industrie 4.0. Dagegen stellt sich die Hypothese, dass durch die Digitalisierung und Automatisierung auch Arbeitsstellen entstehen werden. Ob sich das zahlenmäßig ausgleichen wird, weiß niemand so genau. Fakt ist, dass es viele Arbeitsfelder in Zukunft nicht mehr bzw. nicht mehr in dem Ausmaß geben wird, genauso wie es früher auch mehr Schneider und Schuster in Europa gab, um nur ein Beispiel zu nennen.

„Aussterbende“ Berufe und Umschichtung der Beschäftigung

Stellt sich die Frage, welche Domänen betroffen sein werden und gen welche Tätigkeiten sich diese Arbeitskraft bewegen wird. Sich wiederholende Tätigkeiten in routinemäßigem, berechenbarem Umfeld können in der Regel auch von Maschinen und Algorithmen ausgeführt werden. Sobald zu viele Variablen und unberechenbare Komponenten hinzukommen, braucht es Lösungen, die die Kreativität und Intelligenz von Maschinen potentiell übersteigen.

Welche Berufe das genau betreffen wird bzw. kann, ist oft im Einzelfall nicht so einfach zu sagen. Laut der Soziologin Sabine Pfeiffer werden manche vermeintlichen Routinetätigkeiten unterschätzt. Facharbeiter unterschiedlichster Sparten sind oft unersetzbarer als man denkt, sofern ihrer Tätigkeit Handlungsspielräume und die Freiheit, innovativ und kreativ zu arbeiten und zu handeln, gelassen werden.

Potentiell betroffene Tätigkeitsfelder sind die folgenden:

  • Fertigung und Produktion
  • Einfache Büroarbeiten, Verwaltung
  • Verkauf und Beratung
  • Logistik
  • Finanzen

 

Wenn immer mehr Arbeiten maschinell und digital abgewickelt werden, kann es leicht dazu kommen, dass eine gewisse Persönlichkeit und Charakter verloren gehen. Ähnlich dem Unterschied zwischen Kleidung „von der Stange“ und handgefertigter Ware, kommt die Kreativität und Einzigartigkeit im Alltag, in der gewöhnlichen Produktion ins Hintertreffen. Werden Dinge wie Kreativität, Handwerk, Natürlichkeit und Ästhetik seltener, führt das womöglich dazu, dass diese Bereiche wieder aufgewertet werden.

Ähnlich sieht es auch bei der Berufsstruktur aus. Im Gegensatz zu den nummerisierten, quantifizierbaren Prozessen wird es vermehrt Tätigkeitsfelder geben, die das geistige, empathische und kreative in den Vordergrund stellen. Die Digitalisierung wird Datenberge und nicht nur vertretbare und ethische Möglichkeiten und Werkzeuge zur Verfügung stellen. Unternehmensphilosophen und -ethiker werden sich darüber Gedanken machen, wie man mit den Veränderungen umzugehen hat, um moralisch und ethisch zu handeln.

Studie der University of Oxford: Zukunft der Arbeit

In Bezug auf Industrie 4.0 und die Zukunft der Arbeit hat sich eine Studie besonders hervorgetan. „The Future of Employment: How susceptible are jobs to computerisation?” von Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne von der University of Oxfordihaben untersucht, welche Jobs in welchem Ausmaß von der Computerisierung betroffen sein werden.

Ihren Berechnungen und Prognosen zufolge sind etwa 47% aller Arbeitsstellen (in den USA) stärker gefährdet, ersetzt zu werden, als der Rest der Stellen. Davon werden vor allem einkommensschwache und niederqualifizierte Arbeitsstellen betroffen sein. Betroffen sind laut dieser Studie vor allem Sparten, wie „Transportation and Material Moving“, „Production“, „Office and Administrative Support“, „Sales and Related“ und „Service“.

Precht: „neue Spielregeln für eine andere Gesellschaft“

Nicht nur Ökonomen und IT-Techniker machen sich über das Thema Industrie 4.0 Gedanken. Der Philosoph und Publizist Richard David Precht äußert sich regelmäßig und mit viel Resonanz dazu, was diese Entwicklung gesellschaftlich bedeuten wird, kann und sollte. Er stellt die Frage, ob es überhaupt so gut ist, alle Bereiche zu automatisieren, oder ob es nicht zum Teil zum Verlust von Freiheit, Intelligenz und Aktivität führt.

Dadurch, dass die Gesellschaft dabei ist, sich umzukrempeln, sind neue Spielregeln notwendig. Junge Menschen und damit die „Akteure 4.0“, wenn man so will, der Industrie brauchen ein Ausbildungssystem, dass nicht nur kognitive Fähigkeiten fördert und vor allem individuelle Stärken fördert und nicht Arbeiter produziert, die alle das Gleiche aber davon eher wenig und nichts anderes Dienst nach Vorschrifterledigen können.

Außerdem muss dem Problem entgegengetreten werden, dass Menschen durch die Digitalisierung ihre Einkommensgrundlage verlieren. Nicht nur das Bildungs- sondern auch das Sozialsystem muss also grundlegend überdacht werden, um die Wertschöpfung, die durch die Digitalisierung entsteht, nicht nur bei einigen wenigen ankommen zu lassen.

Arbeitsmarkt und Arbeit 4.0

Wenn auch vieles noch in den Sternen steht, eine Richtung scheint in der Entwicklung bereits vorgegeben: die Berufsfelder werden sich verändern und verschieben, Berufe werden wegfallen, andere entstehen und bestehende Berufe werden sich verändern. Damit wandeln sich auch die Anforderungen und Möglichkeiten, die die neuen Beschäftigungsverhältnisse bieten.

Vielbeschworen ist die Flexibilisierung der Arbeitswelt, sowohl was Ort, Zeit, als auch Tätigkeiten betrifft. Womöglich häufen sich in Zukunft Einkommensstellen, die auf den Ablauf eines bestimmten Projekts begrenzt sind. Nach Beendigung wird man weitervermittelt oder entwickelt selbst die nächste Beschäftigung. Grundsätzlich wird es womöglich die verschiedensten Beschäftigungsverhältnisse geben, die sich variabel an die Lebensrealität der Beschäftigten anpassen lassen.

Zu guter Letzt scheint uns wichtig zu erwähnen, dass wir uns zwar in der vierten industriellen Revolution befinden mögen, dass es aber eben bereits die vierte ist und es Veränderungen dieses Ausmaßes schon immer gegeben hat. Das Ziel wird sein, die enormen Chancen, die diese Entwicklung verspricht, zugunsten möglichst vieler Menschen einzusetzen.

i Roth, A. (2016). Industrie 4.0 – Hype oder Revolution? In: Roth, A. (Hrsg.). Einführung und Umsetzung von Industrie 4.0. Berlin, Heidelberg: Springer.
ii Ebd.
iii Siepmann, D. et al. (2016). Industrie 4.0 – Struktur und Historie. In: Roth, A. (Hrsg.). Einführung und Umsetzung von Industrie 4.0. Berlin, Heidelberg: Springer.
iv Botthof, A. (2015). Zukunft der Arbeit im Kontext von Autonomik und Industrie 4.0. In: Botthof, A.; Hartmann, E. A. (Hrsg.).
Zukunft der Arbeit in Industrie 4.0. Berlin, Heidelberg: Springer. Zugriff unter: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2F978-3-662-45915-7.pdf, letzter Zugriff am: 15.11.2018.
v Roth, A. (2016). Industrie 4.0 – Hype oder Revolution? In: Roth, A. (Hrsg.). Einführung und Umsetzung von Industrie 4.0. Berlin, Heidelberg: Springer.
vi Ebd.
vii Frey, C. B.; Osborne, M. A. (2013). The Future of Employment: How susceptible are jobs to computerisation? Oxford. Zugriff unter: https://www.oxfordmartin.ox.ac.uk/publications/view/1314, letzter Zugriff am: 15.11.2018.

Digitalisierung der Arbeitswelt

Digitalisierung ist ein Thema, das zugleich Hoffnungen und Ängste weckt. Der Angst vor drohenden Verlusten von Arbeitsplätzen stehen Ideen von höherer Steuerungstransparenz und Prozesseffizienz entgegen. Aber was bedeutet das Thema Digitalisierung der Arbeitswelt denn nun konkret?

Chancen und Risiken einer digitalisierten Arbeitswelt

Zunächst fällt auf, dass, selbst, wenn man sich der Digitalisierung annehmen und sie umsetzen will, man die unterschiedlichsten Ansätze dazu findet. Der Begriff und was damit gemeint ist bleibt zugleich schwammig und sperrig. Vermeintlich heilsbringender Aktionismus à la „dafür entwicklen wir eine App“ oder der Aufbau von eigenen LAPS (Local Administrator Password Solution) stehen dabei nur exemplarisch für gängige, oft durchaus sinnvolle, aber leider etwas kurzsichtige Initiativen.

Dabei reicht es, sich als Überblick einmal bewusst zu machen, was die Digitalisierung leisten kann. Was sie sehr gut kann, ist, Routineprozesse zu automatisieren. Abläufe, die sich nicht maßgeblich verändern, laufen ab ihrer Digitalisierung von allein ab.

Was man ihr eher weniger zutrauen kann ist, selbst etwas zu erfinden, sprich auf eine Veränderung einzugehen und den Prozess entsprechend zu optimieren, wobei man mithilfe von künstlicher Intelligenz (AI) auch das zum Teil automatisieren kann.

Chancen

  • Wertschöpfung durch Effizienzgewinne auf Basis von Automatisierung
  • Schnellere Steuerungstransparenz des Prozessablaufs
  • Wegfallen uninteressanter Arbeit, Anreicherung der Jobs um kreative Arbeitsinhalten
  • Simplifizierung von Prozessen durch Vernetzung
  • Flexibilisierung der Arbeitsbedingung und bessere Vereinbarkeit von Freizeit und Beruf
  • Bewältigung und Erleichterung des Alltags mithilfe von Maschinen

Risiken

  • Abbau von Arbeitsplätzen
  • Verlust an Flexibilität durch starre IT Workflows
  • Fachkräftemangel, um diese kreativen Arbeitsstellen zu besetzen
  • Übertechnisierung und damit Verkomplizierung von Prozessen
  • Verschwimmen der Grenzen des Worklife und Mangel an Auszeit durchständige Erreichbar- und Abrufbarkeit
  • Vereinsamung durch Wegfall persönlicher / menschlicher Kontakte

Die große Chance bei der Digitalisierung besteht also darin, lästige und aufwendige Routineprozesse, deren Ausführung auch nicht sonerlich spannend ist, an eine Maschine abzugeben. Aus den diversesten Kanälen kennen wir die Antwort, die darauf folgt, die zugleich das Risiko an der Digitalisierung der Arbeitswelt darstellt: dadurch gehen doch Arbeitsplätze verloren. Umgekehrt besteht allerdings genauso das Risiko, dass die kreativen, komplexen Arbeitsfelder, die viel Expertise benötigen, aufgrund von Fachkräftemangel nicht zufriedenstellend besetzt werden können

Felder wie Mobilität, Vernetzung, Kommunikation, Produktion können vereinfacht und schneller gestaltet werden, wobei man digitale Werkzeuge auch sinnvoll einsetzen muss. Um nicht zu riskieren, sich das Leben schwerer zu machen, sollte man sich im Vorhinein überlegen, was überhaupt das Problem ist und nur lösungsorientiert digitalisieren. Eine App ergibt nicht bei allen Geschäftsmodellen Sinn. Digitalisierung sollte also klug implementiert werden, damit die Prozesse tatsächlich vereinfacht und nicht verkompliziert werden.

Werden Daten und Programme intelligent in die Arbeitsabläufe integriert bzw. selbige damit überwacht, gewinnt das Unternehmen eine hohe Transparenz bei der Steuerung der Prozesse. Stauungen und Leerläufe können einfach identifiziert und abgebaut werden, was die Effizienz erheblich steigern kann.

Dadurch und auch durch den direkten Ersatz von menschlichen Arbeitskräften durch Maschinen und Algorithmen und den damit einhergehenden Abbau von Arbeitsstellen ergibt sich zwar ein wesentlicher Vorteil für die Wertschöpfung des Unternehmens, gleichzeitig bedeutet das aber eben aus demographischer Sicht auch einen Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Dafür werden die Arbeitsbedingungen flexibler und das Private ist zeitlich besser mit dem Beruf vereinbar. Angestellte sind zeitlich und örtlich nicht mehr gebunden, wenngleich sie dadurch in Zugzwang kommen auch immer und überall erreich- und abrufbar zu sein. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen dadurch.

Ein letzter Punkt ist besonders in Bereichen wie der Pflege beobachtbar. Die Bewältigung diverser Arbeitsschritte kann definitiv erleichtert werden. Da sich Pflegeberufe jedoch auch verstärkt durch soziale Interaktion auszeichnen, riskiert man hier eine Vereinsamung, da menschliche Interaktion zunehmend wegfällt. Selbst beim Einkauf oder in der Gastronomie ist das zu beobachten.

Auswirkungen und Folgen der Digitalisierung der Arbeitswelt

  • Wegfall von Arbeitsplätzen, bzw. deren Umverteilung auf andere Beschäftigungszweige
  • Flexibilisierung und damit bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben und Lockerung von Hierarchien
  • Menschlichkeit, Soziales, Zwischenmenschliches und Social Skills werden aufgewertet, da diese nur schwer von Maschinen übernommen werden können. Passiert das nicht, besteht das Risiko der Vereinsamung
  • Soziale Ungleichheiten durch Umverteilung des Vermögens, „The Winner Takes It All“-Prinzip, trotz kleiner Teams und Entwickler, streichen Großkonzerne die Gewinne ein
  • Umstrukturierung des Lernens, sowohl in Bezug auf Methoden als auch Inhalte (Stichworte: maschinelles Lernen, VR, selbständiges Lernen)

Dieser Auflistung an möglichen Auswirkungen und Folgen einer Digitalisierung der Arbeitswelt wollen wir hinzufügen, dass es sich nur um Hypothesen handeln kann. Niemand kann mit Sicherheit vorhersagen, was passieren wird. Darüber hinaus kann man darauf hinweisen, dass es Veränderungen, sowie Verlierer und Gewinner im Prozess, schon immer gegeben hat.

Digitalisierbare Aufgabenfelder: welche sind „gefährdete“ Tätigkeiten?

Wenn man sich fragt, ob ein Beruf bald der Geschichte angehören und von einer Maschine erledigt werden wird, reicht es sich eine einfache Frage zu stellen: Ist die Tätigkeit ein sich immer wiederholender Routineprozess? Wenn ja, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass man ein Programm schreiben kann, das diese Wiederholung auch durchführen kann.

Erfinder, im weitesten Sinne des Wortes, hingegen denken sich etwas aus, müssen sich flexibel auf Veränderungen einstellen können. Auch gefinkelte Programmierer werden die Zähne dabei ausbeißen, diese Tätigkeiten von einem Rechner ausführen zu lassen.

Menschen, die auf komplexe Art und Weise mit anderen Menschen zusammenarbeiten, gehen auf Gefühlsregungen ein. Soziale Prozesse, Kommunikation (nicht die Medien, aber die Kommunikation selbst), Tätigkeiten, bei denen zwischenmenschliche Interaktion ein wichtiger Faktor ist, werden nicht so schnell ersetzt werden können, auch nicht von künstlicher Intelligenz.

Die Entwicklung von AI kann zwar potenziell enorm viel, aber es wird dann doch noch etwas Zeit brauchen, bis sie auch Dinge erledigen kann, die mit menschlicher Psyche und Gefühlen zusammenhängen.

Konkret betrifft es wohl hauptsächlich folgende Tätigkeitsfelder:

  • Fertigung und Produktion
  • Einfache Büroarbeiten, Verwaltung
  • Verkauf und Beratung
  • Logistik
  • Finanzen

Was es in Zukunft vermehrt brauchen wird, sind Berufe, die die digitale Infrastruktur herstellen, weiterentwickeln und betreuen, also Programmierer, (IT-)Techniker und ähnliches. Außerdem stellt sich die Frage, ob manche Berufsfelder nur zum Teil oder gänzlich verschwinden werden. Besonders in Pflegeberufen beispielsweise können Roboter zwar die Arbeit erleichtern, aber ob es den zu Pflegenden tatsächlich zuträglich ist, wenn sie kaum mehr Kontakt zu menschlichen Pflegenden haben, ist fraglich.

HR Digitalisierung
Die Digitalisierung kann unter Umständen zu einer Vereinsamung der Arbeitnehmer führen.

Was bedeutet Digitalisierung für das Personalmanagement?

Für das Personalmanagement bietet die Digitalisierung Chancen auf zwei Ebenen: zum einen kann es die eigenen Prozesse zunehmend digitalisieren, zum anderen kann und sollte es sich auf die Veränderungen in der Personalstruktur einstellen bzw. sie aktiv mitgestalten.

Veränderung der Personalarbeit auf Basis der Digitalisierung:

  • Rollenveränderung weg von administrativen Tätigkeiten hin zur Personalentwicklung
  • Digitale Kompetenzen zu bisher stark juristischen und arbeits- und organisationspsychologischen Fähigkeiten aufbauen
  • Anpassung und Veränderung von Personalinstrumenten

Digitalisiertes Recruiting via Plattformen à la LinkedIn und XING oder selbst Facebook und Twitter, wo die Unternehmen potentielle Mitarbeiter finden und nicht umgekehrt, könnten eine dieser Möglichkeiten sein und dazu führen, dass Arbeitnehmer die Arbeit nicht mehr annehmen, sondern ihre Arbeitskraft, ihre Kompetenzen und Kenntnisse frei anbieten, woraus sich Arbeitgeber dann bedienen können.

Das kann man auf ähnliche Weise auf den unternehmensinternen Raum übersetzen, wobei beispielsweise für jedes neue Projekt Mitarbeiter aus dem bestehenden Pool ausgesucht werden können, je nachdem, ob sie sich für das jeweilige Projekt eignen. Das wird wiederum durch Programme erleichtert, die Mitarbeiterprofile genau ausarbeiten und ihre Kompetenzen dokumentieren, Stichwort: Competency Management. Womöglich können dann auch automatisch durch AI Mitarbeiter einander zugewiesen werden, je nachdem, ob sie potentiell gut zusammenarbeiten.

Wie die Implementierung digitaler Prozesse im Personalmanagement konkret aussehen kann und muss, ist selbstverständlich von Organisation zu Organisation verschieden und orientiert sich am Geschäftsmodell.

Personalabteilungen im Driverseat bei der Umsetzung der Digitalisierung:

  • Vorbereitungsmaßnahmen für mögliche Reorganisationen und Restrukturierungen
  • Analyse von Arbeitsabläufen, um das Digitalisierungspotential der Jobs zu identifizieren
  • Rahmenbedingungen im Sinne von Betriebsvereinbarungen für mobiles Arbeiten, flexiblere Arbeitszeiten, etc. schaffen
  • Organisationsumbau (agile Strukturen)
  • Den kulturellen Wandel vorantreiben (veränderte Führung, neues Mindset, etc.)

Wenn es darum geht, die Digitalisierung im Unternehmen umzusetzen, kann das Personalmanagement eine aktive Rolle einnehmen. Die Analyse von Arbeitsabläufen kann ermittelt werden, welche davon digitalisiert bewältigt werden können. Damit sitzt die HR-Abteilung an der Wurzel der Restrukturierung des Unternehmens.

In puncto Einstellen auf die Veränderungen in der Unternehmensstruktur wird es wichtig werden, auf geistige Flexibilität und Agilität zu achten. Statt starrer Abteilungen wird es Projekte geben, die an Teams vergeben werden und Mitarbeiter müssen zum einen geeignet, zum anderen darauf vorbereitet sein und werden, um die unterschiedlichen Aufgaben bewältigen zu können.

Man wird keine bzw. weniger starke Führungskräfte mehr brauchen, sondern Menschen, die in immer neuen Konstellationen zusammenarbeiten können und gemeinsam dazu im Stande sind Lösungen zu finden, statt vorgegebene Lösungen der Führungsetage umzusetzen. Das birgt auch die Chance eines kulturellen Wandels, der in der Personalführung seinen Anfang nehmen kann.

Auswirkungen auf die Demographie und die Gesellschaft

Potentiell negative Auswirkung der Digitalisierung auf die Gesellschaft ist die Auflösung des Mittelstandes. Dadurch, dass Einkommensplätze für Menschen aufgelöst werden, da ihre Arbeitskraft nicht mehr gebraucht wird, drohen große Teile der Bevölkerung am Existenzminimum anzukommen.

Dabei stellt sich die Frage, ob die neu entstehenden Arbeitsfelder für eine so breite, arbeitslos gewordene Bevölkerungsgruppe ausreichen werden, oder ob andere Werkzeuge und Maßnahmen notwendig sein werden, um diese Menschen „aufzufangen“. Stichworte, die dabei immer wieder fallen, sind das bedingungslose Grundeinkommen oder Robotersteuern.

Weiters wird eine Verschiebung der Machtverhältnisse vorhergesagt. Durch Vernetzung und Resonanz entstehen Mitarbeiter-, Bürger- und Kundenrollen, die künftig mehr Macht ausüben können.

Außerdem wird man sich darum bemühen müssen, Lebensqualität und ethische Fragen nicht in den Hintergrund wandern zu lassen. Das betrifft sowohl Bereiche wie Datenschutz und Überwachung, als auch Tierethik (Stichwort: Lebensmittelproduktion) und Gesundheit.

Zukünftige Herausforderungen und Lösungen

Einige der Herausforderungen, mit denen wir uns in puncto Digitalisierung konfrontiert sehen oder sehen werden, wurde in diesem Beitrag bereits angesprochen. Zu dessen (versöhnlichen) Abschluss, sollen allerdings auch noch einige Lösungen angesprochen werden, denn so sehr man Befürchtungen gegenüber den anstehenden Veränderungen hegen kann, bergen die Digitalisierung und der damit zusammenhängende Wandel ungeahnte Chancen.

Gerade in Bezug auf die Arbeitswelt kann die Digitalisierung das Leben wesentlich vereinfachen. Vielzitierte Jobs, die eher notgedrungen als aus Leidenschaft bewältigt werden, könnten wegfallen und damit den Menschen, die diese Arbeiten ausführen mussten, um ihr Leben finanziell bestreiten zu können, neue Lebensqualität geben; vorausgesetzt, eine finanzielle Grundlage bleibt gegeben.

Hinter jeder Digitalisierungsmaßnahme sollte die Überlegung stehen: was will man damit vereinfachen bzw. verbessern und welche Auswirkungen kann das haben? Digitalisierung rein dem Willen der Digitalisierung wegen, ist kein vernünftiger Ansatz. Was analog bleiben sollte, kann auch getrost analog bleiben.

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