Active Sourcing – Zukunftsorientiertes Recruiting?

Active Sourcing – Zukunftsorientiertes Recruiting?

Die neuen Medien haben die Kanäle der aktiven Personalakquise vervielfacht. Offline wurde durch Online ergänzt. Gute Fachkräfte zu finden, ist heutzutage nicht leicht. Wer smart rekrutieren und seine Stellen mit den besten Kandidat:innen besetzen möchte, kann darauf nicht verzichten. Statt nur Stellenanzeigen zu schalten und sich auf den Eingang von Bewerbungen zu verlassen, gehen Recruiter:innen gezielt auf geeignete Bewerber:innen zu, um diese für ihr Unternehmen zu gewinnen. Doch was steckt hinter diesem Begriff? Was bringt Active Sourcing und welche Methoden sind vielversprechend für ein erfolgreiches Sourcing? Dieser Artikel beantwortet diese Fragen und vermittelt Ihnen die Grundlagen, die Sie kennen müssen.

Was ist Active Sourcing?

Active Sourcing ist ein Sammelbegriff für mehrere Methoden des Recruitings im Personalwesen. Darunter versteht man die proaktive, zielgerichtete Recherche, Ansprache und Rekrutierung potenzieller Mitarbeitenden. Personen, die es betreiben, bezeichnet man als Active Sourcer, Talent Sourcer oder Direct Sourcer. Im Unterschied zum klassischen Recruiting geht es hierbei nicht mehr nur darum, Inserate zu veröffentlichen und anschließend auf Bewerbungen zu warten. Das Active Sourcing kann intern oder extern erfolgen und umfasst zwei Phasen:

  1. Die gezielte Kandidat:innensuche: In der ersten Phase geht es vor allem um die gezielte Kandidat:innensuche, indem Profile mit geeigneten Qualifikationen zusammengetragen werden.
  2. Die individuelle Kandidat:innenansprache: Nachdem die Recruiter:innen geeignete Kandidat:innen identifiziert haben, erfolgt in der zweiten Phase die Kontaktaufnahme mit dem Ziel, die Kandidat:innen für das Unternehmen zu gewinnen. Eine Herausforderung, die Kommunikations- und Verhandlungsgeschick erfordert – denn oft sind die interessantesten Kandidat:innen gar nicht auf Jobsuche.

Active Sourcing - Zukunftsorientiertes Recruiting - CLEVIS

Active Sourcing: 7 Methoden & Tools

1. Profile Mining – Active Sourcing in Sozialen Netzwerken

Diese Methode des Active Sourcings ist besonders verbreitet. Für die aktive Kandidat:innensuche nutzen Unternehmen verbreitet Business-Netzwerke, wie z. B. XING und LinkedIn. Hier treffen sie auf besonders viele potenzielle Kandidat:innen. Active Sourcer haben die Möglichkeit, Nutzerprofile nach Position, Standort, Branche oder bestimmten Qualifikationen zu filtern. Neben der manuellen Suche lässt sich Active Sourcing auch durch eine HR-Software automatisieren. Derzeit ist der Automatisierungsgrad gering, die Tendenz ist jedoch steigend.

2. Referral Sourcing – Indirektes Sourcing in persönlichen Netzwerken

Beim Referral Sourcing stellen sich Recruiter:innen die Frage „Wer könnte meine:n ideale:n Kandidat:in kennen?“. Das Netzwerk Sourcing weist im Vergleich zum Direkt Sourcing eine geringere Kontaktzahl mit potenziellen Kandidat:innen, aber durch den persönlichen Bezug eine höhere Qualität der Kontakte vor. Eine entsprechende Software (z. B. Softgarden, firstbird) kann den Active-Sourcing-Prozess deutlich erleichtern und das Vorgehen automatisieren.

3. Talentpools

Ein Talentpool stellt eine Datenbank dar, in der Profile qualifizierter Kandidat:innen hinterlegt sind, die bereits an Ihrem Unternehmen interessiert sind. So können Sie durch Newsletter oder aktuelle Jobangebote den Kontakt halten und die Kandidat:innen längerfristig an sich binden – Candidate Relationship Management.

4. Lebenslaufdatenbanken – CV Database Search

Eine weitere Möglichkeit für die Suche nach passenden Kandidat:innen bietet die Durchforstung von Lebenslaufdatenbanken wie z. B. StepStone, Monster oder Indeed. Das Ziel der CV Database Search ist, komplette Lebensläufe zu nutzen und damit deutlich mehr und präzisere Informationen zu erhalten als beim Profile Mining.

5. Boolsche Befehle und Suchmaschinen

Eine sehr simple Möglichkeit, um passende Fachkräfte für eine offene Stelle ausfindig zu machen, ist die Suche mit Suchmaschinen unter der Verwendung Boolescher Befehle. Die Befehle können bei Google, Bing oder Yahoo, aber vor allem auch auf Karriereplattformen wie Xing oder LinkedIn verwendet werden.

Die wichtigsten Befehle, die Recruiter:innen bei ihrer Suche kennen sollten:
  • AND: Ergebnisse werden angezeigt, die sowohl den einen als auch den anderen Begriff der Suchanfrage enthalten (IT Consultant AND München).
  • OR: Dieser Befehl zeigt alle Ergebnisse an, die einen der beiden Begriffe enthält (Sales OR Account OR Vertrieb).
  • NOT: Ergebnisse werden angezeigt, die den einen Term enthalten, den anderen dagegen nicht (account manager NOT sales).
  •  „“ ­(Anführungszeichen): Ergebnisse werden nur angezeigt mit dem exakten Wortlaut. („Junior IT Consultant“).
  • * (Wildcard): Alle Ergebnisse, die den Wortlaut vor dem Sternchen enthalten, werden angezeigt (also Key Accounter, Key Account Manager, Key Accountant etc.).

6. Karriere Events

Anders als bei den bislang genannten Methoden erfolgt die Akquise potenzieller Mitarbeitenden hier nicht digital, sondern durch persönlichen Kontakt vor Ort. Recruiter:innen können in persönlichen Gesprächen rasch die Kompetenzen und Interessen der Menschen herausfinden und Beziehungen herstellen.

7. Karriereseiten

Die einfachste Art, Active Sourcing zu betreiben, ist eine Karriereseite: Hierbei handelt es sich um eine Website, die Jobinteressenten aufruft, sich bei Deinem Unternehmen zu bewerben.

Vor- und Nachteile:

Vorteile:

–  Active Sourcing hat den gesamten Arbeitsmarkt im Blick – Mitarbeitende, die auf der Suche sind, und Mitarbeitende, die in Zukunft auf der Suche sein könnten. Wunschkandidat:innen können direkt angesprochen werden.

–  Das Unternehmen wird langfristig in den Mittelpunkt gerückt und potenzielle Mitarbeitende eher an das Unternehmen gebunden. Neue Stellen können schneller besetzt und personelle Engpässe vermieden werden.

–  Die aktive Personalbeschaffung reduziert mittelfristig den Kosten- und Zeitaufwand des Recruiting Prozesses.


Nachteile:

–  Der wichtigste Nachteil ist, dass die meisten potenziellen Kandidat:innen auf diese Recruiting-Methode nicht reagieren.

–  Die potenziellen Kandidat:innen können sich von Active Sourcing gestört fühlen, wenn der persönliche Bezug und die individuelle Ansprache fehlen, der zu vermittelnde Job nicht zu den Qualifikationen des Kandidaten passt oder sie zu häufig kontaktiert werden.

–  Die richtigen Active-Sourcing-Kanäle ausfindig zu machen, um die richtige Zielgruppe anzusprechen, braucht zunächst Zeit und Recherche.

–  Active Sourcer sollten geschult und ausgebildet sein um eine möglichst objektive Vorauswahl zu treffen und die persönliche Ansprache passend formulieren zu können.

7 Schritte für ein erfolgreiches Active Sourcing

Nun sind Sie bereit sich auf die Suche nach den perfekten Kandidaten zu machen. Hier noch unsere 7 Schritte, um Sie dabei zu unterstützen den Sourcing Prozess zu strukturieren.

1. Wunschkandidat:innen festlegen
Erstelle das idealtypische Bild des perfekten Bewerbers bzw. der perfekten Bewerberin, die sogenannte Candidate Persona.

2. Sourcing-Kanäle auswählen
Finden Sie den richtigen Social Media-Kanal für Ihre zu besetzende Stelle.

3. Kandidat:innenansprache definieren
Für eine effektive Kandidat:innenansprache ist das Wording essenziell: zu beachten sind hierbei die Employer Brand und der Kontext des gesuchten Jobs.

4. Kandidat:innenprofil definieren
Definieren Sie vorab wichtige Schlüsselwörter und Texte für Ansprache, Kontaktanfragen, Reminder, Infos für Bewerber:innen usw.

5. Suche vorbereiten
Die bevorzugten Kanäle und Methoden können je nach Unternehmensgröße, aber auch nach Branche variieren.

6. Passende:n Kandidat:in finden
Erst durch die Sammlung aller relevanten Informationen können Sie einen erfolgreichen Erstkontakt sicherstellen.

7. DSGO-konform Handeln
Mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) müssen bestimmte Punkte bei der Kandidat:innenansprache beachtet werden. Erkundigen Sie sich im Vorfeld was zu beachten ist, um eine mögliche Geldstrafe zu vermeiden.

Fazit

Active Sourcing ist eine effiziente Recruiting Methode, um die klassische Personalsuche zu ergänzen. Mit dem Wandel der Zeit ändern sich die Voraussetzungen im Active Sourcing laufend. Daher gibt es auch kein richtiges oder falsches Vorgehen im Hinblick auf den Ablauf des Active Sourcings. Allerdings gibt es verschiedene Active Sourcing Methoden, die dabei helfen können, den richtigen Weg für Ihr Unternehmen und Ihre Stelle zu finden. Entscheiden ist dabei nicht zwingend welche Sozialen Netzwerke und Methoden die Sourcer wählen, um die Wunschkandidat:innen anzusprechen, sondern vielmehr spielen eine individuelle und persönliche Ansprache eine große Rolle. Hierbei sollten Sie allerdings den rechtlichen Rahmen beachten. Wie sieht es mit Wettbewerbsrecht und Datenschutz aus? Beachten Sie unbedingt die Datenschutzrichtlinien und meiden Sie am private Netzwerke.

Andrea Bogicevic

Autorin Andrea Bogicevic

30. Juni 2021